01
Aug
2015

Die Badewanne Europas - das Mittelmeer

Sonne, Strand und Meer. Für viele sind diese Wörter ein fester Bestandteil der Sommerferien. Natürlich soll die Zeit der Entspannung und kulinarischen Köstlichkeiten auch so verlaufen, dass man nach der Rückkehr von einem perfekten Urlaub schwärmen kann. Jedoch kann das Wetter einen gehörigen Strich durch die Rechnung machen, denn wer möchte schon bei strömendem Regen Städte begutachten oder bei stürmischem Wind und niedrigen Temperaturen am Ostseestrand liegen? Da wir an dieser Stelle Ihr individuelles Urlaubswetter in aller Welt aus Platz- und Zeitgründen beim besten Willen nicht erörtern können, soll sich auf die Region fokussiert werden, die in der Veröffentlichung "Fakten und Zahlen" des Deutschen Reiseverbandes im Jahr 2014 als das beliebteste Reisedomizil der Deutschen bei Auslandsreisen angesehen wurde: die Mittelmeerregion. Der Sprung ins

erfrischende Nass ist dabei in diesen Regionen nahezu eine Pflicht, besonders wenn die Sonne an einem heißen Sommertag unerbittlich auf die Touristen scheint. Doch wie erfrischend ist denn momentan überhaupt dieser Sprung ins Nass? Bevor wir jedoch einen Blick auf die aktuelle Wassertemperaturverteilung werfen, soll zunächst auf die vergangenen zwei Monate zurückgeblickt werden. Dies ist für die Entwicklung der Wassertemperaturen natürlich auch wichtig, da zum Beispiel eine Frontpassage mit viel Wind und Niederschlag die Wasseroberfläche durchmischen und damit abkühlen kann.

Der Juni verlief im Großen und Ganzen im Mittelmeerraum nicht ungewöhnlich, wobei wiederholt heiße Luft vorderseitig atlantischer Tröge nach Spanien und über das westliche Mittelmeer transportiert wurde. Mit Ostverlagerung der Tröge zog die heiße Luft ebenfalls in die östliche Mittelmeerregion und rückseitig konnte wiederholt kühle und trockenere Luft weit südwärts vorstoßen. Dies änderte sich erst Ende Juni und Anfang Juli, da die Tiefdruckgebiete über dem östlichen Atlantik dank eines starken Hochdruckgebietes über Südeuropa nicht mehr ostwärts vorankamen und nach Nordosten in Richtung Nordeuropa abbogen. Dies hatte zu Folge, dass sich sehr heiße Luft, teils mit neuen Rekorden der Tagesmaxima, über dem westlichen und ab Mitte Juli auch zunehmend über dem zentralen und östlichen Mittelmeer ausbreiten konnte, wobei die Temperatur wiederholt auf deutlich über 35 Grad anstieg. Dies spiegelt sich natürlich auch in der Verteilung der Wassertemperaturen wider.

In der Fläche gesehen variieren die Wassertemperaturen im Mittelmeer momentan zwischen 20 und 31 Grad, wobei diese hohen Unterschiede unter anderem durch komplexe Strömungs- und Zirkulationsverhältnisse im Mittelmeer zustande kommen. Dabei strömt relativ salzarmes Wasser vom Atlantik durch die Straße von Gibraltar ins westliche Mittelmeer, wo sich durch massive Verdunstung der Salzgehalt besonders im östlichen Mittelmeer stark erhöht. Das schwerere Wasser strömt von dort in tiefen Meeresschichten wieder zurück durch die Straße von Gibraltar in den offenen Atlantik. Dies hat zur Folge, dass besonders das östliche Mittelmeer eine bessere Durchmischung dank des Absinkens des salzreicheren Wassers erfährt und somit dort die warme Wassertemperaturen auch bis in tiefere Schichten reichen, während im westlichen Mittelmeer die maximale Wassertemperatur meist nur sehr oberflächennah erreicht wird.

Das von Westen einströmende Wasser wird einerseits westlich von Sardinien und Korsika nach Norden und dann teilweise nach Westen in Richtung Balearen abgelenkt, andererseits strömt es an Sizilien vorbei weiter nach Osten. Das Oberflächenwasser im westlichen Mittelmeer ist auch im Sommer immer wieder dem "Mistral" ausgesetzt (ein starker, trockener Fallwind aus dem Rhônetal), sodass auch die aktuell gemäßigte Wassertemperatur von 20 bis 24 Grad nicht verwundert. Der absolute Wärmeschwerpunkt ist jedoch im Tyrrhenischen und dem Ionischen Meer, der südlichen Adria und westlich von Lampedusa zu finden. Die Kombination aus vermindertem Wasseraustausch und der beschriebenen, lang anhaltenden Hitzewelle lässt die Wassertemperaturen auf teils über 30 °C ansteigen, was einer Temperaturanomalie der Wassertemperaturen von drei bis teils mehr als vier Kelvin hinsichtlich der Referenzperiode 1957 bis 2002 bedeutet (siehe dazu die Grafik unter www.dwd.de/tagesthema). Die größte positive Anomalie ist dabei in der südlichen Adria, dem südlichen Tyrrhenischen Meer und vor der Südostküste Spaniens zu finden. Zwar ist die sehr warme Schicht meist nur oberflächennah so aufgeheizt, doch mit Blick auf den in wenigen Monaten anstehenden Herbst treiben uns Meteorologen solche Wassertemperaturen die Sorgenfalten auf die Stirn. Tiefdruckgebiete können sich dann über solch einer Heizfläche markant verstärken und teils sintflutartige Niederschläge im zentralen Mittelmeer und in den Südalpen bringen. Schon gestern entlud sich die außergewöhnlich feuchte Luftmasse über dem Südosten und Osten Spaniens in heftigen Gewittern mit teils sehr großem Hagel von bis zu 8 cm im Durchmesser (z.B. Yecla in der Region um Murcia [http://www.eswd.eu]). Nicht unbedingt das beste Urlaubswetter. Neben dem Löwengolf weist nur noch die Ägäis und das östliche Mittelmeer etwas zu kühle Wassertemperaturen auf, was bisher unter anderem mit wiederholt auftretenden Frontpassagen erklärt werden kann, wo kühlere Luft und böiger Wind das Wasser durchmischen und abkühlen konnte.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Mittelmeer bisher fast überall teils deutlich zu warm ist. Ein Blick auf die Wetterkarten der kommenden Tage zeigt, dass sich an der Druck- und Temperaturverteilung über Südeuropa wenig ändern wird, sodass mit einer Fortdauer der heißen und überwiegend trockenen Witterung im Mittelmeer gerechnet werden kann. Wem solch heiße "Badewannentemperaturen" eindeutig zu viel sind, dem sei zum Beispiel die mit strandnahen 17 bis knapp 20 Grad warme/kühle Nordsee ans Herz gelegt. Egal wohin es Sie nun verschlägt, genießen Sie ihre Zeit im Wasser!

Dipl.-Met. Helge Tuschy
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.08.2015

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