04
Aug
2015

Von kalten und heißen Rekorden

Sicherlich haben es viele von Ihnen mittlerweile schon mehrmals zu Ohren bekommen. Am 5. des vergangenen Monats wurde der deutschlandweite Temperaturrekord gebrochen. An der Station des Deutschen Wetterdienstes in Kitzingen am Main (Bayern) wurde eine Temperatur von 40,3 Grad Celsius gemessen und somit die höchste Temperatur seit Beginn flächendeckender Messungen im Jahr 1881. Damit löste Kitzingen die bisherigen Rekordhalter Gärmersdorf (gemessen am 27.07.1983), Karlsruhe (09.08.2003 und 13.08.2003) sowie Freiburg (13.08.2003) mit einer gemessenen Höchsttemperatur von 40,2 Grad Celsius ab.

Weltweit wurde übrigens Greenland Ranch im kalifornischen Death Valley National Park (USA) mit sagenhaften 56,7 Grad (10.07.1913) von der Weltorganisation für Meteorologie (abgekürzt WMO) zum Spitzenreiter gekürt. 90 Jahre lang führte dabei allerdings El Asisija (Libyen) die Rangliste an. Dort wurde am 13.09.1922 eine Temperatur von 58 Grad Celsius festgestellt. Im Jahr 2012 gab die WMO jedoch in einer offiziellen Pressemitteilung (siehe https://www.wmo.int/pages/mediacentre/press_releases/pr_956_en.html) bekannt, dass dieser Wert nicht anerkannt werden kann. Als Gründe wurden unter anderem Probleme mit den verwendeten Messinstrumenten, ein unerfahrener Beobachter sowie der nicht repräsentative Untergrund (asphaltähnliches Material statt des natürlichen Wüstenbodens) genannt.

Aber auch die Nächte sind im Sommer zeitweise nicht gerade erfrischend. Das deutschlandweit höchste Temperaturminimum bescherte uns die Station Weinbiet in Rheinland-Pfalz in der Nacht vom 12. auf den 13. August 2003. Dabei sank das Thermometer an besagter Station nicht unter 27,6 Grad Celsius.

Ganz anders am 12. Februar 1929, denn auch im Winter können Temperaturrekorde aufgestellt oder gebrochen werden. Am besagten Tag registrierte die Station in Wolnzach-Hüll (Bayern) eine Temperatur von -37,8 Grad Celsius und hält somit den bis heute ungeschlagenen Rekord der niedrigsten, jemals offiziell gemessenen Temperatur in Deutschland. Auf der Zugspitze sank die Temperatur dagegen im Februar 1940 "nur" auf -35,6 Grad ab. Die weltweit niedrigste gemessene Temperatur wurde - wie könnte es auch anders sein - im "Eisschrank" der Erde gemessen. Am 21. Juli 1983 zeigte das Thermometer in Wostok (Antarktika) -89,2 Grad Celsius an. Nebenbei bemerkt liegt der "Hitzerekord" direkt am Südpol übrigens bei -12,3 Grad. Aufgestellt wurde dieser an der Amundsen-Scott-Station am 25.12.2011.

Zwar sind wir aktuell weit davon entfernt, den Temperaturrekord vom 5. Juli zu toppen, trotzdem wurden am gestrigen Montag, den 03.08. immerhin 35,3 Grad Celsius an der Station Duisburg-Baerl (Nordrhein-Westfalen) registriert. Und auch am heutigen Dienstag stehen die Chancen nicht schlecht, dass wohl örtlich die 36-Grad-Marke in der Lausitz geknackt wird. Im Westen bleibt es etwas kühler. Grund dafür ist Tief BONIMIR, das zurzeit nordwestlich der Britischen Inseln zu finden ist. Im Westen Deutschlands macht sich schon sein Ausläufer bemerkbar. Und in dessen Gepäck befinden sich Schauer und kräftige Gewitter, die sich im Tagesverlauf unter Verstärkung Richtung Osten verlagern. Dann sind vor allem in den nördlichen und mittleren Landesteilen, in der zweiten Tageshälfte auch im Süden Sturmböen, Starkregen und Hagel mit von der Partie.

Nachfolgend kommt es zu einer leichten Abkühlung. Am morgigen Mittwoch erwarten wir in der Nordhälfte Deutschlands zwischen 22 und 28 Grad, an der Küste bleibt es bei auflandigem Wind etwas kühler. Im Süden an Oberrhein und Donau sind örtlich "nur" noch 32 Grad drin. Aber schon am Donnerstag weitet sich die 30-Grad-Marke schon wieder weit Richtung Norden aus, am Oberrhein stehen sogar schon wieder die 37 Grad auf dem Programm. Der Freitag setzt dann nochmal einen drauf. Verbreitet werden erneut Temperaturen über 30 Grad erwartet, nur im Nordwesten sowie an der Küste bleibt es etwas darunter. Örtlich kann dann im Süden vielleicht sogar schon wieder die 39-Grad-Marke geknackt werden. Aber für die 40,3 Grad reicht es aus heutiger Sicht nicht!

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.08.2015

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