25
Aug
2015

"Zyklonale Südwestlage"

Der Jahresverlauf der Witterung in Mitteleuropa besteht aus einer Folge typischer Wettersituationen, den "Großwetterlagen". Diese ergeben sich aus weiträumigen Luftdruckverteilungen und den daraus resultierenden Strömungsmustern in Bodennähe, sowie auch in den darüber liegenden Luftschichten.

Das Wetter selbst wird außerdem durch die Eigenschaften der in die Zirkulation einbezogenen Luftmassen dominiert. Es kann während der Andauer einer Großwetterlage an einzelnen Orten innerhalb des betrachteten Gebietes durchaus wechseln, der allgemeine Witterungscharakter bleibt jedoch erhalten.

Während sich der z.Z. zwischen Island, Skandinavien und der Biskaya liegende und aus drei kleineren Tiefdruckwirbeln namens GERALD, HANS und IMMANUEL bestehende, mächtige Tiefdruckkomplex konsolidiert, steigt der Luftdruck über Ost- und Südosteuropa. Folglich dreht die atmosphärische Strömung auf Südwest und aus subtropischen Gefilden gelangt erneut warme Luft nach Mitteleuropa.

Da insbesondere der Nordwesten Deutschlands in den nächsten Tagen durch Tiefausläufer gestört wird, kann man die vorliegende Großwetterlage als "Zyklonale Südwestlage" (wissenschaftliche Abkürzung SWz) klassifizieren. Südwestlagen sind Großwetterlagen der gemischten Zirkulationsform, d.h. die zonale (in West-Ost-Richtung verlaufende) und die meridionale (süd-nördliche) Strömungskomponente sind über Mitteleuropa etwa gleich groß.

Zyklonale Südwestlagen sind typisch für das Klima Mitteleuropas. Allerdings treten sie im Winterhalbjahr häufiger auf, mit einem absoluten Maximum im Oktober. Auch im Januar sind sie oftmals anzutreffen, und bewirken dann einen milden Hochwinter. Die derzeitige Zyklonale Südwestlage bringt ab Mittwoch, 26.08.2015, den Hochsommer noch einmal zu uns zurück. Dabei werden in den nächsten Tagen bis einschließlich Sonntag, 30.08.2015, in der Südosthälfte Deutschlands vielerorts Tageshöchsttemperaturen von 30 °C oder mehr erreicht.

Zur visuellen Unterstützung des eben Erläuterten sei auf die im Internetangebot des Deutschen Wetterdienstes unter der Rubrik "Spezielle Nutzer/Hobbymeteorologen" angebotenen Boden- und Höhenwetterkarten verwiesen.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.08.2015

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