01
Oct
2015

Historisches und Aktuelles zum Wetter am Tag der Deutschen Einheit

Am Samstag, den 3. Oktober, erinnert der Nationalfeiertag "Tag der Deutschen Einheit" zum 25. Mal an die deutsche Wiedervereinigung bzw. den Beitritt der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zur Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Jahre 1990. Ob sich das Wetter am besagten Feiertag ebenso "einheitlich" darstellt und jegliche Unternehmungen oder Festlichkeiten ohne Wetterkapriolen über die Bühne gehen, soll ein kurzer Ausblick auf das zu erwartende Wettergeschehen zeigen.

Bis zum Samstag verlagert sich Hoch NETTI weiter südostwärts in Richtung Schwarzes Meer. Dadurch wird der Hochdruckeinfluss über Deutschland allmählich schwächer. Gleichzeitig nähert sich von Zentralfrankreich her ein Tief in höheren Luftschichten, das insbesondere in der Südhälfte für einen leicht wechselhaften Wettercharakter sorgt. So ziehen im Tagesverlauf vor allem im Süden und Südwesten dichtere Wolkenfelder vorüber, die sich bis zum Abend auf die mittleren Landesteile ausweiten. Aber auch in diesen Regionen kann sich die Sonne zeitweise zeigen. Zu ein paar Tropfen Regen kommt es dort allerdings nur ganz vereinzelt. Deutlich freundlicher sieht es für die Bewohner der Nordhälfte Deutschlands aus. Dort bleibt es nach Nebelauflösung vielfach heiter und trocken. Die Temperatur steigt auf Werte um 15 Grad im höheren Bergland, sonst auf 17 bis 19 Grad, wobei am Oberrhein lokal auch die 20-Grad-Marke geknackt werden kann. Der Wind weht dabei meist nur schwach aus unterschiedlichen Richtungen. In der Nacht zum Sonntag breiten sich die dichten Wolken noch etwas nordwärts aus, wobei im Südwesten schauerartiger Regen aufkommt. Im Osten bleibt es hingegen noch gering bewölkt und niederschlagsfrei. Im Vergleich zu den kälteren Nächten zuvor sinkt die Temperatur "nur" noch auf 10 bis 6 Grad.

Da sich das diesjährige Wettergeschehen am Nationalfeiertag aus meteorologischer Sicht eher etwas "langweilig" darstellt, wollen wir nun einen kurzen Blick auf die Historie werfen. Was ist in Deutschland an einem 3. Oktober wettertechnisch möglich?

Trotz der recht fortgeschrittenen Jahreszeit kann das Wetter nochmals zur Bestform auflaufen. So wurden im Jahr 1985 gleich an fünf Stationen Höchstwerte über 30 Grad gemessen. Dabei lagen diese Stationen allesamt im Bereich des Oberrheins und im Großraum Pforzheim. Seitdem steht Freiburg mit 30,8 Grad auf Platz eins der Liste mit den höchsten Temperaturmaxima an einem 3. Oktober. In ungünstigen Witterungsfällen, sei es durch Nebel oder Hochnebel, Zufuhr relativ kühler Luftmassen oder auch durch das Zusammenspiel mehrerer Einflussfaktoren, kann es ebenso vorkommen, dass die Temperatur im Tagesverlauf kaum ansteigt. In der Kategorie der tiefsten Temperaturmaxima befinden sich, wie nicht anders zu erwarten, die Stationen der Mittelgebirgsgipfel auf den vorderen Plätzen. Dabei erstreckt sich die Temperaturspanne von -11,1 Grad auf der Zugspitze bis beispielsweise +1,6 Grad auf dem Kahlen Asten. Unterhalb von 600m über NN liegen die Stationen Bad Marienberg (547m über NN) und Jena (Sternwarte, 155m über NN) mit 2,9 Grad ganz vorne.

In den schon recht langen Nächten kann die Temperatur ebenfalls in den mäßigen Frostbereich sinken. Von der Zugspitze einmal abgesehen, sank das Quecksilber in Gera-Leumnitz auf einer Höhe von 312 Meter über dem Meeresspiegel im Jahr 1979 auf -6,2 Grad. Aber auch in Göttingen (175m über NN) fiel die Temperatur 1947 auf -6,0 Grad. In Bodennähe kann die Temperatur allerdings deutlich weiter in den Keller gehen. Im Nordosten Bayerns wurden 1947 an den Stationen Hof-Hohensaas (567m über NN) und Wunsiedel-Schönbrunn (622m über NN) eine Temperatur in Erdbodennähe von -10,4 Grad registriert.

Zeigt sich das Wetter einmal von der "schlechten Seite", sind ebenso hohe Niederschlagssummen möglich. Im Jahr 2006 wurde an der Station in Lahr am Oberrhein innerhalb von 24 Stunden eine Regenmenge von 51,8 mm gemessen. Dass dies keine Ausnahme darstellt, zeigen die 24-stündigen Niederschlagssummen aus dem Jahr 1989 in Jena (Sternwarte) mit 51,3 mm und im Jahr 1993 in Diepholz mit 51,1 mm.

Dies beweist doch eine recht große Spanne an möglichen Wetterextremen an einem 3. Oktober. Auch wenn sich der diesjährige 3. Oktober in Großteilen des Landes wieder von seiner freundlichen Seite zeigt, wird er voraussichtlich nicht in die Statistiken der Wetterrekorde eingehen. Zwar steht das Wetter im Hinblick auf die Sonnenstunden nicht ganz im Zeichen der "Einheit", dennoch sollte es bis auf wenige Tropfen im Süden und Südwesten zumindest überall trocken und relativ mild bleiben.

M.Sc.-Met. Andreas Würtz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.10.2015

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