07
Oct
2015

"3..2..1..Ihr's?" - Die Wetterpatenschaft

Sie sind auf der Suche nach einem ausgefallenen Namen für Ihr Baby oder grübeln über Ihrem Kreuzworträtsel und suchen verzweifelt nach einem weiblichen Vornamen mit elf Buchstaben und "O" am Anfang? Dann könnte Ihnen vielleicht ein Blick auf die Wetterkarte die zündende Idee liefern. Denn die Kombination aus Druckgebilde und Vorname ist aus diesen nicht mehr wegzudenken.

Vorreiter diesbezüglich waren die USA. Der US-Wetterdienst begann im 2.Weltkrieg damit, Taifune, also tropische Wirbelstürme im Pazifik, mit Vornamen zu versehen. Der Grund hierfür war recht simpel: Dadurch konnte man deutlich leichter den Überblick über das aktuelle Wettergeschehen behalten. Dies machte sich vor allem dann bezahlt, wenn nicht nur ein, sondern gleich mehrere Taifune unterwegs waren. Diese Vorgehensweise war so erfolgreich, dass man sich entschied, in Zukunft auch Hurrikane (tropische Wirbelstürme über dem Atlantik) zu benennen.

In Deutschland vergingen noch einige Jahre, ehe man auch hier "das Kind beim Namen nannte". 1954 schlug die damalige Studentin des Instituts für Meteorologie der FU Berlin, Karla Wege, vor, den Druckgebilden, die das Wetter in Mitteleuropa beeinflussen, jeweils einen Vornamen zu geben. Seitdem vergibt das meteorologische Institut der FU Berlin diese Vornamen und zwar in alphabetischer Reihenfolge, d.h. man beginnt bei "A", endet bei "Z" und startet danach wieder einen neuen Durchgang. Neben dem US-Wetterdienst ist die Freie Universität Berlin bis heute weltweit die einzige Einrichtung, die Namen für Hoch- und Tiefdruckgebiete vergibt.

Jahrzehntelang bekam von der Praxis dieser Namensvergabe allerdings kaum jemand etwas mit, denn das mediale Interesse daran war nicht gerade groß. Erst als Ende Februar 1990 mit VIVIAN und WIEBKE gleich zwei Orkantiefs kurz hintereinander in Deutschland und Umgebung wüteten, wurden die Medien auf die Benennung der Druckgebilde aufmerksam. Seither sind Vornamen für Hochs und Tiefs aus Zeitungen, Radio und Fernsehen kaum noch wegzudenken. In den darauffolgenden acht Jahren geriet die Namensvergabe dann allerdings zunehmend in die Kritik. Bis dato war es nämlich üblich, Tiefdruckgebieten stets weibliche und Hochdruckgebieten männliche Vornamen zu verpassen. Die damit einhergehenden Diskussionen führten schließlich dazu, dass es seit 1998 auf den Wetterkarten fair zugeht. In geraden Jahren besitzen die Tiefs weibliche und die Hochs männliche Vornamen. In ungeraden Jahren (wie in diesem) ist es genau umgekehrt.

Im November 2002 entstand dann die Aktion "Wetterpate". Dabei werden die alphabetischen Namenslisten nicht mehr allein vom meteorologischen Institut der FU Berlin, sondern mit Unterstützung der Bevölkerung erstellt. Das bedeutet, dass Sie seitdem die Möglichkeit haben, Wetterpate zu werden und ein Druckgebilde selbst zu benennen. Sie können somit also aktiv in das Wettergeschehen eingreifen...zumindest auf der Wetterkarte. Allerdings gilt hier wie bei so vielem: "Ohne Moos nix los!". Die "Taufe" eines Tiefs kostet im Normalfall 199,- und die eines Hoch 299,-EUR, manchmal werden Druckgebilde aber auch von der FU Berlin auf eBay zur Versteigerung angeboten. Das Geld kommt der studentischen Wetterbeobachtung an der Wetterstation Berlin-Dahlem zu Gute, die seit März 2002 für die ununterbrochene Fortführung der über hundertjährigen Beobachtungsreihe sorgt.

Sicherlich wird sich nun der ein oder andere fragen, warum ein Hoch teurer ist als ein Tief. Das liegt nicht etwa daran, dass mit hohem Luftdruck häufig ruhiges und vor allem im Sommer auch sonniges Wetter verbunden ist, sondern daran, dass Hochdruckgebiete im Allgemeinen beständiger und somit auch länger auf der Wetterkarte zu sehen sind als Gebiete tiefen Drucks. Im Schnitt werden pro Jahr etwa 50-60 Hochs und 130-150 Tiefs "getauft".

Weitere Informationen zur Wetterpatenschaft finden Sie unter http://www.met.fu-berlin.de/wetterpate/. Zum Abschluss für unsere "Kreuzworträtsler" hier noch ein Vorschlag für den weiblichen Vornamen mit elf Buchstaben: "Oldenburgia". So heißt nämlich das Hoch, das mit seinem Zentrum aktuell über dem nördlichen Finnland liegt und seinen Namen den Bürgern der Stadt Oldenburg verdankt.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2015

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