18
Oct
2015

Höchste Zeit für Winterreifen!

Nachdem der Winter in den vergangenen Tagen bereits einen ersten weißen Gruß bis teilweise ins Tiefland schickte, hat der "Run" auf die Autowerkstätten begonnen. Hunderte Anfragen pro Tag bezüglich eines Termins zum Reifenwechsel waren keine Ausnahme. Viele Werkstätten sind daher bis zum Ende der kommenden Woche ausgebucht. Doch auch diejenigen, die keinen Termin ergattern konnten oder noch keine Zeit für einen Wechsel fanden, sollten einen zeitnahen Tausch auf Winterpneus vornehmen. Auch wenn sich der Frühwinter wieder verabschiedet hat und nun zunehmend ein herbstlich trüber und von zeitweiligen Regenfällen geprägter Wettercharakter vorherrscht, sollten die Sommerreifen für dieses Jahr ausgedient haben.

Viele Versicherungen und Automobilclubs verweisen jedes Jahr auf die sogenannte "O-bis-O-Regel". Demnach sollten die Autofahrer von Oktober bis Ostern wintertaugliche Reifen am Auto montiert haben. Jedoch müssen bei der Wahl der Reifen zusätzlich auch die regional unterschiedlichen klimatischen Verhältnisse berücksichtigt werden. Das Rheinland kann man diesbezüglich z. B. nicht mit dem Voralpenland vergleichen, wo auch schon im September durchaus winterliche Straßenverhältnisse eine entsprechende Bereifung erforderlich machen.

Allgemein sinken die Temperaturen mit fortschreitender Jahreszeit in Richtung Winter alleine aus astronomischer Sicht langsam ab. Neben den typischen herbstlichen Wettererscheinungen wie Nebel oder rutschige Straßen durch feuchtes Laub muss auch im Oktober bei nächtlichem Aufklaren gebietsweise mit Frost und daher mit Glätte durch überfrierende Nässe oder Reif gerechnet werden. In den jahreszeitlich bedingt längeren Nächten können die bodennahen Luftschichten nachts schon erheblich auskühlen. Vor allem bei klarem Himmel reichen tagsüber positive, teils sogar zweistellige Höchstwerte nicht mehr aus, um ein nächtliches Absinken der Temperatur in den Frostbereich zu verhindern. Zudem ist jederzeit wieder eine kurzfristige Umstellung der Wetterlage auf den Wintermodus möglich, auch wenn aktuell in den nächsten Tagen zumindest in mittleren und tiefen Lagen kein Schnee und Eis zu erwarten ist.

Sollte es bei Schnee oder Glätte zu Unfällen durch Autos mit Sommerreifen kommen, so setzen die Autofahrer neben ihrem Leben auch ihren Versicherungsschutz teilweise aufs Spiel. Die Kaskoversicherung kann mit dem Verweis auf grob fahrlässiges Verhalten einen Teil der Leistung verweigern. Und die Kfz-Haftpflichtversicherung kann den Fahrer in Mithaftung nehmen, wenn ein Unfall auf nicht verkehrssichere Reifen zurückzuführen ist.

Doch was macht die Winterreifen aus?

Autoreifen sind das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Straße. Sie beeinflussen maßgeblich das Fahrverhalten eines Fahrzeugs. Reifen werden insbesondere auf die Beschaffenheit des Untergrundes, die Temperatur und die Belastung ausgelegt. In Mitteleuropa fahren Autos meist auf asphaltierten Straßen mit einer Oberflächentemperatur zwischen -15 °C und +60 °C. "Sommer"-Gummimischungen verhärten bereits bei niedrigen Plus-Graden, womit sich die Haftung auf der Straße spürbar reduziert. Winterreifen bleiben dagegen weich und verfügen zudem über ein spezielles Lamellen-Profil, das auf Schnee und Eis besonders gut greift - also bei Witterungsbedingungen, die überall in Deutschland und auch durchaus schon um den Gefrierpunkt herum anzutreffen sind, erklärte der ADAC.

Die Zeit der Winterreifen ist also angebrochen. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass von Oktober bis tief in den April hinein immer wieder Kälteeinbrüche mit kurzfristigem Schneefall bis ins Flachland auftreten können und somit Winterreifen manchmal auch noch nach einem frühen Ostern erforderlich sind. Bei solchen Wetterverhältnissen muss an die Vernunft der Autofahrer appelliert werden. Nicht auf Winterreifen umgerüstete Fahrzeuge sollten bei winterlichen Bedingungen besser stehen bleiben.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.10.2015

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