25
Oct
2015

Winterzeit? - Aber nur auf der Uhr!

In der Nacht auf den heutigen Sonntag war es mal wieder so weit: Die Uhr wurde umgestellt. Somit wurde den Bürgern in Deutschland die im Frühjahr "geklaute" Stunde zurückgegeben.

In Deutschland wurde die derzeit gültige Umstellung zwischen der "Normalzeit", die vielen auch als "Winterzeit" bekannt ist, und der sogenannten "Sommerzeit" im Jahre 1980 eingeführt. Als ein wichtiger Grund für die zweimalige Zeitumstellung während eines Jahres wurde die bessere Nutzung des Tageslichts und somit die Möglichkeit Energie zu sparen angeführt. Dieser Grund wurde insbesondere noch durch die Nachwirkung der Ölkrise in Deutschland von 1973 gestützt. Ein weiterer Grund war zudem die Anpassung an die Nachbarländer, die diese zeitliche Regelung schon früher eingeführt hatten.

Erstmals wurde die Zeitumstellung in Deutschland und Österreich im Jahre 1916 vorgenommen. Wenige Wochen später folgten damals Großbritannien und Irland. Im englischsprachigen Raum wurde die Zeitumstellung als "Daylight Saving Time" bezeichnet, was gleichzeitig den Zweck - das Optimum an Tageslicht zu nutzen - beschreibt. Jedoch wurde in Deutschland zeitweise nicht nur eine "Sommerzeit" definiert. Vor 1950 existieren teilweise mehrere Umstellungen, so gab es beispielsweise 1947 in der "Sommerzeit" eingebettet sogar noch eine "Hochsommerzeit". Zwischen 1950 und 1980 wurde schließlich auf eine Zeitumstellung in den Sommerrhythmus verzichtet.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass sich bereits im Jahre 1784 Benjamin Franklin mit dem Aufsatz "An Economical Project for Diminishing the Cost of Light (26. April 1784)" wissenschaftlich mit dieser Thematik beschäftigte. Erneut aufgegriffen wurde das Thema jedoch erst wieder 1906, als der Engländer William Willett mit seiner Abhandlung "The Waste of Daylight" eine breite Diskussion anfachte. Zunächst wurde die Einführung 1908 vom Britischen Unterhaus allerdings abgelehnt und erst im Jahre 1916 realisiert. Weltweit haben sich zumindest vorübergehend zahlreiche Staaten für die Einführung einer "Sommerzeit" entschieden. Die Graphik gibt diesbezüglich einen Überblick.

Allgemein wird über die derzeit gültige Zeitumstellung heftig diskutiert. Insbesondere die These, dass durch die Nutzung des Tageslichts mehr Energie gespart werden kann, wird zunehmend widerlegt. Laut neueren Studien wird während der Sommerzeit abends zwar elektrisches Licht gespart, jedoch in den kalten Monaten (März, April und Oktober) dagegen vor allem morgens stärker geheizt. Zudem haben Mediziner negative Auswirkungen der Zeitumstellung auf den menschlichen Körper festgestellt.

Was das Wetter betrifft, so hält sich dieses nur selten an die "Winterzeit (Normalzeit)". Auch in diesem Jahr lässt sich diese zunächst lediglich auf der Uhr feststellen. Ansonsten dominiert nämlich typisches Herbstwetter. Während am heutigen Sonntag vielerorts noch die Farbe Grau vorherrscht, bekommt in den nächsten Tagen die Sonne wieder größere Anteile. Neben Nebel und Hochnebel, die sich vor allem nachts weiterhin ausbilden können und sich je nach Region auch nur zögerlich auflösen, sorgt Hochdruckeinfluss sowie eine zunehmend auf östliche bis südöstliche Windströmung regional für längere sonnige Abschnitte. Bei zweistelligen Höchstwerten, meist zwischen 10 und 17 Grad, scheint zumindest bis einschließlich Mittwoch dem "Goldenen Oktober" der Weg frei zu sein. Auch mittelfristig ist in den nächsten 10 Tagen vom Winter keine Spur, aber kommen wird er bestimmt.

Die nächste Zeitumstellung beschäftigt uns erst wieder am 27. März 2016, wenn die Uhren um eine Stunde vorgestellt werden, ganz nach dem Merksatz: "Zeitumstellung ist wie alles im Leben. Man muss immer erst etwas geben, bevor man etwas zurückbekommt."

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.10.2015

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