01
Nov
2015

Wirbelsturm CHAPALA bedroht Arabien

Die Wetterlage in weiten Teilen Europas strotzt derzeit nicht gerade vor Action und Spannung. Die beständige Hochdruckdominanz sorgt für durchweg ruhiges Herbstwetter. Tag für Tag stellt sich die Frage: "Nebel, Hochnebel oder doch Sonnenschein?" Der Autor des heutigen Themas des Tages möchte den Leser daher gerne auf eine Reise in eine Region einladen, die zurzeit wettertechnisch mehr zu bieten hat. Wie wäre es zum Beispiel mit Arabien?

Ein außerordentlich starker tropischer Wirbelsturm über der Arabischen See, dort Zyklon genannt, bedroht die Küste Jemens und Omans. Dabei sind die Arabische See und Arabische Halbinsel nicht gerade für große Wetteraction bekannt. Zwar herrschen an den Küsten von Jemen und Oman teils sehr hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit vor, das feuchtheiße Klima bringt aber eher selten große Niederschlagsmengen. Dass sich nun ein derart starker Zyklon über der Arabischen See bilden konnte und auf die Küstenregionen zusteuert, ist in der Tat ein außergewöhnliches Ereignis.

Aufgrund der im Vergleich zu den großen Ozeanen eher geringen räumlichen Ausdehnung der Arabischen See sowie der dort insgesamt für die Entwicklung der Stürme vielfach schlechten meteorologischen Bedingungen, werden dort im Mittel viel weniger tropische Wirbelstürme als beispielsweise über dem Atlantik oder Pazifik beobachtet. Ein bis zwei Stürme treten auf Grundlage eines vieljährigen Mittels über der Arabischen See pro Jahr auf. Nur einige von diesen erreichen die Arabische Halbinsel als gefährliche Zyklone.

Mit CHAPALA konnte sich nun wieder einer dieser seltenen Zyklone bilden. CHAPALA befindet sich aktuell (Sonntagfrüh, 01.11.2015) noch gut 400 km von der Küste Jemens entfernt. Mit mittleren Windgeschwindigkeiten von rund 210 km/h wird er als Kategorie-4-Zyklon eingestuft. Auf seinem Höhepunkt am Freitag (30.10.2015) lagen die mittleren Windgeschwindigkeiten noch bei knapp 250 km/h. Damit verpasste er die Einordnung in die 5. Kategorie denkbar knapp. Der bisher einzige über der Arabischen See beobachtete Zyklon der höchsten Kategorie war GONU im Jahre 2007. CHAPALA reiht sich hinter GONU aber immerhin auf Platz 2 der stärksten Zyklonen ein.

Dass gerade jetzt wieder ein solch extremer Sturm über der Arabischen See auftritt, ist nicht unbedingt Zufall. Der globalen Analyse der Land- und Wassertemperaturen des amerikanischen Wetterdienstes NOAA vom September nach zu urteilen, trifft man in der Arabischen See aktuell die höchsten Wasseroberflächentemperaturen an, die jemals dort zu dieser Jahreszeit beobachtet wurden. Hohe Wassertemperaturen sind ein entscheidender Entwicklungsfaktor für tropische Wirbelstürme.

Wie geht es mit CHAPALA weiter? Die genaue Verlagerung von CHAPALA ist noch recht ungewiss. Sicher ist, er wird irgendwann zwischen 2. und 3. November auf die Arabische Halbinsel treffen. Von den Computermodellen favorisiert wird derzeit ein Landgang im östlichen Jemen (siehe Skizze der Zugbahn und Satellitenbild auf www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2015/11/1.html). Zuvor streift er die jemenitische Insel Sokotra. Zwar schwächt sich CHAPALA dabei noch etwas ab, allerdings muss dort, wo er auf die Küste trifft, trotzdem noch mit Orkanböen bis 180 km/h gerechnet werden. Problematisch sind auch die exorbitanten Niederschlagsmengen, die im Wirkungsbereich von CHAPALA niedergehen. Mit 200 bis 400 Liter Regen pro Quadratmeter (in Staulagen der Gebirge lokal über 500 Liter pro Quadratmeter) und den entsprechenden, teils verheerenden Auswirkungen ist zu rechnen. Dann vielleicht doch lieber "beschaulich" mit Nebel und Hochnebel?

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 01.11.2015

© Deutscher Wetterdienst