11
Nov
2015

Viel Licht für den "Heiligen Martin" - beim Wetter leider auch

Schatten Im gestrigen Thema des Tages wurde bereits die morgen anbrechende "fünfte Jahreszeit" thematisiert. Mit Wetter hat dieser Zeitraum allerdings nichts am Hut, auch wenn das diese weithin bekannte Nomenklatur suggerieren mag. Vielmehr ist das dem Tatbestand geschuldet, dass sich so manch ein "Vollblut-Jecke" durch dieses Ereignis in seinem Lebensrhythmus so sehr beeinflussen lässt, wie es sonst nur der Wechsel der vier Jahreszeiten zu schaffen vermag. Nun soll es durchaus einige Menschen geben, die sich nicht so sehr als Narren sehen. Keine Bange, der morgige 11. November hat noch mehr zu bieten als der Start in die besagte Jahreszeit - es ist Martinstag!

Martin? Wer war das und was hat er "getan", dass ein Tag nach ihm benannt wird? Die Rede ist von Martin von Tours (316/317-397 n. Chr.), der als Sohn eines Soldaten während der römischen Kaiserzeit lebte. Der "Heilige Martin", wie er häufig auch genannt wird, war schon zu Lebzeiten ein sehr beliebter und gefragter Mann. Er galt als überaus wohltätig. Einer Legende nach zu urteilen, soll er als römischer Soldat auf einem Schimmel sitzend eines bitterkalten Winterabends einem armen, frierenden und hungernden Bettler auf eine ungewöhnliche Art und Weise geholfen haben. Da er kein Hab und Gut bei sich hatte, soll er mit seinem Schwert seinen Mantel zerteilt und die eine Hälfte dem Bettler gegeben haben. Nachdem Martin in einem Traum Gottes Sohn Jesus erschien und dieser "vollen Lobes" für ihn war, ließ er sich angesichts dieses eindrücklichen Erlebnisses taufen, quittierte den Soldatendienst und lebte später in einem Kloster. Als Bischof der Stadt Tours (daher sein "Nachname") soll er vielen Menschen Hoffnung gegeben haben. Der heilige Martin starb schließlich am 8. November 397 und wurde zwei Tage später am 11. November 397 beigesetzt. An diesem 11. November, dem "Sankt-Martins-Tag", gedenken wir seither seiner Wohltätigkeit und Nächstenliebe.

Genug des geschichtlichen Exkurses. Eines der vielen Brauchtümer am Martinstag ist der vor allem bei Kindern beliebte Sankt-Martins-Umzug, bei dem "Klein und Groß" mit häufig aufwendig selbst gebastelten Laternen am Abend durch die Straßen ziehen. Große Lichterprozessionen an der Grabstätte des Heiligen Martin könnten der Ursprung der Sankt-Martins-Umzüge sein. Sicherlich erwartet man an dieser Stelle von einem Ressort des Deutschen Wetterdienstes auch eine Wettervorhersage für die Umzüge. Dem soll dieses Tagesthema natürlich gerecht werden.

Während die zahlreichen Umzüge wohl für viel Licht sorgen werden, gibt es beim Wetter neben Licht auch reichlich Schatten. Eher auf der "Schattenseite" befindet sich die Nordhälfte Deutschlands. Vor allem im Norden muss am morgigen Mittwochabend bei wechselnder bis starker Bewölkung mit leichtem Regen oder Sprühregen gerechnet werden. Zudem weht der Wind dort spürbar, teils stark böig, an der Küste sogar stürmisch. An regen- und windfeste Kleidung sollte also gedacht werden. In den mittleren Landesteilen bleibt die Bewölkung zwar auch häufig dicht, Regen fällt aber kaum. Der Süden kommt deutlich besser davon. Dort bleibt es trocken und gelegentlich funkeln sogar die Sterne. Zwar bildet sich örtlich Nebel, aber der kann ja bekanntlich auch für eine ganz besondere Stimmung sorgen. Dicke Winterklamotten sind dagegen weder im Norden noch im Süden wirklich vonnöten, es bleibt bis in die frühen Abendstunden ziemlich mild bei Temperaturen zwischen 5 Grad in höheren Mittelgebirgslagen im Süden und um 14 Grad an der Küste.

Meteorologisch und geschichtlich perfekt vorbereitet kann es dann ja losgehen. Und bitte, liebe Nordlichter, lasst euch nicht vom Wetter abschrecken - immerhin gibt es mittlerweile ja auch "windresistente" LED-Leuchten für die Laternen ;-).

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 10.11.2015

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