26
Nov
2015

Weiße Weihnachten? Oft ein unerfüllter Wunsch!

Einige werden sich beim Blick auf den Kalender erschrecken - es ist nur noch ein knapper Monat bis Weihnachten. Langsam aber sicher sollte man daher damit anfangen, die Geschenkideen für die Liebsten auch umzusetzen, um Enttäuschungen unter dem Weihnachtsbaum zu vermeiden. Wir Meteorologen erfahren diesen "Schreckmoment" in der Regel nicht. Warum? Ganz einfach! Für uns fungiert die Frage nach weißen Weihnachten nämlich als ziemlich verlässlicher "Weckruf", ganz besonders für die notorischen Spätzünder im Besorgen der Weihnachtsgeschenke. Oft erreicht uns diese Frage nämlich einige Wochen vor dem Weihnachtsfest.

Eines schon mal vorne weg: Eine seriöse, verlässliche Aussage darüber, ob wir Weihnachten im Schnee feiern können oder nicht, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht gemacht werden. Erste, vage Prognosen sind häufig erst binnen Wochenfrist möglich. Vorhersagen der genauen Wetterentwicklung über Weihnachten, die derzeit schon die Runde machen, kann man getrost als tollkühn und unglaubwürdig abtun.

Das einzige Werkzeug, das uns Meteorologen bei der Beantwortung der Frage nach weißer Weihnacht aktuell schon zur Verfügung steht, ist die sogenannte Klimatologie oder auch Statistik. Blickt man in die Vergangenheit, lassen sich über die Häufigkeit weißer Weihnachten Wahrscheinlichkeiten für eben diese ableiten. Eine Übersichtskarte (zu finden auf http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2015/11/26.html) zeigt die Wahrscheinlichkeit für eine schneebedeckte Landschaft über das gesamte Weihnachtsfest (24.12 bis 26.12.) auf Grundlage der Jahre 1951 bis 2008. So gibt es beispielsweise im Flachland und in den Flussniederungen im Westen und Südwesten sowie im nordwestdeutschen Tiefland nur in 10 % der Fälle eine geschlossene Schneedecke über Weihnachten. Nach Norden und Nordosten zu liegt die Wahrscheinlichkeit meist auch nur zwischen 15 und 25 %. In den Mittelgebirgen sieht die Situation aus Sicht der Schneefans etwas rosiger aus, die Wahrscheinlichkeiten für durchweg verschneite Weihnachten liegt dort vielfach zwischen 30 bis 50 %. In den Kammlagen der Mittelgebirge sowie in den Alpen (ab etwa 800 bis 1000 Meter Höhe) verläuft statistisch gesehen das Gros der Feiertage weiß.

Alles in allem lässt sich also festhalten, dass in den meisten Regionen Deutschlands ein weißes Weihnachtsfest häufig ein unerfüllter Wunsch bleibt. Und es kommt noch "schlimmer": das berühmte "Weihnachtstauwetter" gehört zu den verlässlichsten Witterungsregelfällen in Deutschland. Ersten Kaltluftvorstößen mit Schneefällen bis in tiefere Lagen zwischen November und Mitte Dezember folgt oft ein Wetterwechsel, bei dem milde Atlantikluft von Westen herangeführt wird. Regenfälle zehren dabei den noch vorhandenen Schnee zusätzlich rasch auf. Wenigstens lässt sich die Aussage, dass es früher "zu Großmutters Zeiten" viel öfter weiße Weihnachten gegeben hat, entkräften. Die Häufigkeiten haben sich bis heute nicht signifikant verändert. Weiße Weihnachten bleiben einfach länger im Gedächtnis.

Dass sich das sehr variable Wetter selten an statistisch ermittelte Mittelwerte hält, sollte allerdings noch Anlass zur Hoffnung geben. Wenn sich ein verlässlicher Trend abzeichnet, wird an dieser Stelle sicherlich darüber berichtet werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Dipl.-Met. Adrian Leyser
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.11.2015

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