27
Nov
2015

Weihnachtsmarktzeit

Für viele von uns beginnt Ende November eine der schönsten Zeiten des Jahres, die Advents- oder Vorweihnachtszeit. Dann gibt es in der besinnlichen Zeit wieder reichlich Kerzenlicht, leckeren Plätzchenduft und romantisches Kaminfeuer. Auf zahlreichen Weihnachtsmärkten lassen sich weihnachtliche Backwaren und regionale Spezialitäten wie Lebkuchen, Christstollen, Gewürze, Zimtsterne, Glühwein oder andere Heißgetränke in verschiedensten Farben und Formen erwerben und bieten ein Feuerwerk für die Geschmacksnerven.

Die Tradition des Weihnachtsmarktes geht dabei auf meist nur wenige Tage andauernde Verkaufsmärkte im späten Mittelalter zurück, welche hauptsächlich dazu dienten, sich für die kalte Jahreszeit mit Nahrung und warmer Kleidung zu rüsten. Nach und nach kam der Brauch auf, in der Vorweihnachtszeit auch geflochtene Körbe, Gewürze, Spielzeug oder Süßigkeiten zu verkaufen. Von Anfang an durfte dabei natürlich das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. Neben warmen Getränken und Speisen wurden mit der Zeit auch geröstete Kastanien, Mandeln und Nüsse angeboten.

So entwickelten sich die Verkaufsmärkte allmählich weiter zu den Weihnachtsmärkten, wie wir sie heute kennen. Je nach lokaler Tradition sind die Weihnachtsmärkte auch als Adventsmarkt, Christkindlesmarkt oder zum Beispiel in Dresden auch als Striezelmarkt bekannt. Heute gibt es "Deutsche Weihnachtsmärkte" allerdings nicht nur in Deutschland. Auch im Ausland, beispielsweise in England oder den USA wurden die bis dahin nicht bekannten Weihnachtsmärkte als "German Christmas Market", "Christkindlmarket" oder "Holiday Market" eingeführt.

Pünktlich zum Start einiger Weihnachtsmärkte in dieser Woche (beispielsweise Aachen, Köln oder Ludwigsburg) schüttelte die "Goldmarie" aus Grimms Märchen am Dienstagabend (24.11.2015) und in der Nacht zum Mittwoch (25.11.) kräftig das Bettzeug von Frau Holle. Vor allem in den mittleren und südlichen Landesteilen Deutschlands brachte der Ausläufer von Tief "LAURITZ" weiße Flocken. Teilweise blieb der Schnee sogar bis in tiefere Lagen liegen. Im weiteren Verlauf dieser Woche zog sich die Schneedecke allerdings ins Bergland zurück. In Lagen oberhalb von etwa 600 m herrschen jedoch auch nach wie vor noch winterliche Bedingungen vor. Aktuell (Stand: 27.11.2015, 07 Uhr) beträgt die Schneehöhe auf dem Kahlen Asten im Hochsauerland noch 21 cm, auf dem Brocken 22 cm, auf dem Fichtelberg in Sachsen noch 13 cm und auf der Zugspitze 95 cm.

Am heutigen Freitag (27.11.) bleibt es vorerst meist noch trocken in Deutschland. Am Abend und in der Nacht zum Samstag greift allerdings der Ausläufer von Nordmeertief "MICHEL" zunächst auf den Nordwesten Deutschlands über. Dort fällt der Niederschlag durchweg als Regen und geht weiter südöstlich allmählich in Schnee über, teils bis in tiefere Lagen. Bei einsetzendem Niederschlag in der Mitte und im Nordosten ist in der zweiten Nachthälfte bei Temperaturen um den Gefrierpunkt am Boden lokal kurzzeitig gefrierender Regen mit Glatteisbildung möglich. Für Autofahrer ist somit besondere Vorsicht geboten. Südöstlich einer Linie vom Südschwarzwald bis nach Rügen bleibt es bis zum Morgen jedoch noch meist trocken.

Im Laufe des Samstags überquert uns der Tiefausläufer dann rasch südostwärts und bringt auch im Osten vor allem im Bergland und im Süden bis in die Niederungen Schnee. Ein kurzer Zwischenhocheinfluss sorgt nachfolgend für Auflockerungen der Wolkendecke. Allerdings kündigt sich im Nordwesten bereits am späten Samstagabend ein weiterer Ausläufer diesmal von Tief NILS mit Kern nördlich der Britischen Inseln an. Und dieser Ausläufer hat nicht nur weiteren Neuschnee für das Bergland im Gepäck. Mit Annäherung dieses Tiefs verstärkt sich auch das Luftdruckgefälle über Deutschland zwischen dem Tief über Nordeuropa und einem Hoch über Südwesteuropa. Verbreitet muss dann zum Sonntag mit starken bis stürmischen Böen gerechnet werden, im höheren Bergland sind auch schwere Sturmböen bis orkanartige Böen möglich.

Die neue Woche ist ebenfalls geprägt von Tiefausläufern, die über den Atlantik nach Deutschland gelangen und vor allem in der Mitte und im Norden für regnerisches und windiges Wetter sorgen.

Und wie sieht es mit Schnee auf den Weihnachtsmärkten aus? Mit den Tiefausläufern gelangt auch zunehmend mildere Atlantikluft nach Deutschland. Die Temperatur steigt dann tagsüber wieder auf teils über 10 Grad Celsius an. Die Aussicht auf Neuschnee rückt damit also in die Ferne. Trotzdem kann ein heißer Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt bei dem nassen und windigen Wetter für eine willkommene Aufwärmung sorgen.

MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.11.2015

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