06
Jan
2016

Glatteis und Eisglätte

Eine markante Luftmassengrenze liegt derzeit über Deutschland. Sie trennt kontinentale Kaltluft in der Nordosthälfte von milder Meeresluft im Südwesten. Während in der kontinentalen Kaltluft in Trollenhagen (Mecklenburg-Vorpommern) am gestrigen Dienstag eine Höchsttemperatur von eisigen -11,9 Grad gemessen wurde, lag die Höchsttemperatur in Bremgarten (Fessenheim) am Oberrhein bei 8,4 Grad. Unmittelbar an der Luftmassengrenze lagen die Temperaturunterschiede teilweise bei fast 10 Grad auf 100 km. In diesem Bereich kommt es immer wieder zu teils auch unwetterartigem Glatteis. Glatteis entsteht, wenn Regen auf gefrorenen Boden fällt. Eine Möglichkeit ist gegeben, wenn Warmluft vorstößt und es bei

Temperaturen knapp über 0 °C zu regnen beginnt, der Boden aber selbst noch gefroren ist. Es braucht nämlich eine Weile, bis sich der Boden der Umgebungstemperatur angepasst hat. Diese Glätte ist daher meist nur vorübergehend.

Gefährlicher wird es, wenn die Warmluft ausschließlich in der Höhe vorstößt und sich dabei über eine bodennahe Kaltluftschicht schiebt. Dies ist derzeit im Bereich der Luftmassengrenze der Fall. Dabei stieg dort die Temperatur in höheren Luftschichten durch die von Westen herangeführte mildere Atlantikluft, die sich über die kontinentale Kaltluft geschoben hat, ein paar Grad über Null. Der zunächst als Schnee fallende Niederschlag schmilzt in dieser warmen Schicht zu Regen, der in die darunter liegende kalte Kontinentalluft fällt und bei Temperaturen im Frostbereich am Boden blitzartig gefriert. Gebietsweise haben sich dort bereits dickere "Eispanzer" auf den Straßen und Gegenständen gebildet.

Nicht zu verwechseln ist Glatteis mit Eisglätte, die eine weitere Form von Glätte darstellt. Diese gibt es in den kommenden Nächten vornehmlich in den östlichen Mittelgebirgen oder bei längerem Aufklaren im Süden. Tagsüber kommt es dort bei Temperaturen über 0 Grad zeitweise zu leichtem Regen, im Bergland auch nassem Schnee, der auf den Straßen taut. Nachts sinkt die Temperatur im Fall längeren Aufklarens unter den Gefrierpunkt, wobei das Wasser auf den Straßen gefriert. Es entsteht überfrierende Nässe (Eisglätte).

Die Luftmassengrenze bewegt sich nur langsam nach Nordosten, sodass im Übergangsbereich weiterhin mit gefrierendem Regen und Glatteis gerechnet werden muss. Bis Freitagmittag wird die kontinentale Kaltluft vollständig nach Osten verdrängt, wobei dann in ganz Deutschland die mildere Meeresluft eingeflossen ist. Am Wochenende gibt es dann auch in den Gipfellagen der Mittelgebirge Tauwetter, sodass sich die Glättesituation selbst dort entspannt. Die nächste winterliche Wetterlage mit Schnee und Glätte kündigt sich allerdings voraussichtlich schon zur Mitte der nächsten Woche wieder an.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.01.2016

© Deutscher Wetterdienst