17
Jan
2016

Emma, Gudrun und Benno bringen ein paar Tage Winter nach Deutschland

Nun liegt also der größte Teil Deutschlands unter Schnee. Nur im Nordosten und entlang des Rheins gibt es noch ein paar schneefreie Orte.

Als erstes leistete Tief Emma ihren Beitrag dazu. Sie entwickelte sich am Dienstag über dem Nordatlantik und zog über Großbritannien nach Deutschland, dass sie am Freitag erreichte. Die zugehörige Wetterfront erreichte uns bereits am Donnerstag.

Donnerstag früh gab es in den Niederungen nur im äußersten Osten etwas Schnee. In den anderen Gebieten gab es eine Schneedecke nur auf den Bergen, auf dem Brocken 43 cm. Am Donnerstag überquerte uns die Wetterfront von Emma und brachte den Niederungen im Norden und Westen meist Regen, in den anderen Gebieten fiel Schnee.

Freitag früh lag im Osten oftmals Schnee, auf dem Brocken war die Schneedecke sogar auf 55 cm angewachsen. Am Freitag zog der Tiefkern von Emma vom Münsterland nach Tschechien und brachte vor allem dem Süden Deutschlands Neuschneehöhen bis zu 45 cm.

Samstag früh bedeckte der Schnee Süddeutschland bis auf die Flussniederungen vom Rhein und seinen Nebenflüssen, wobei in Freudenstadt mit 85 cm die höchsten Schneemengen unterhalb 2000 m gemessen wurden. Am Samstag zog das Minitief Gudrun über Deutschland hinweg südostwärts. Von der Nordsee kommend zog Gudrun etwas nördlicher als Emma vom Emsland nach Südosten und löste sich dabei auf.

Den zugehörigen Niederschlagsgebieten haben wir uns gestern ausführlich auf Facebook und Twitter gewidmet. Die Neuschneehöhen von über 10 cm vom Emsland zum Harz verlaufen entlang Gudruns Zugbahn. Die hinter Gudrun einfließende Luft war sehr labil, sodass verbreitete Schneeschauer auch Gebiete eingeschneit hat, die von Gudruns Wolkenspiralen noch verschont wurden.

Die Schneesumme von Emma und Gudrun finden wir in der anhängenden Abbildung. Ski und Rodel frei also in den Mittelgebirgen. Nur vereinzelt steht da noch eine Null für die Schneehöhe, ein Blick in die Webcams zeigt aber zum Sonnenaufgang auch dort oft eine dünne Schneedecke.

Trotzdem sind noch einige enttäuscht, weil überall die dicken Schneetiefs angekündigt wurden und es in einigen Bereichen nahezu schneefrei blieb. Die Ursache dafür ist ganz einfach: Auch wenn es sich um Polarluft handelt, sie ist über den "warmen" Ostatlantik zu uns gezogen. Dort konnte sie zwar einerseits Wasser aufnehmen, sich andererseits aber in der bis zu 10 Grad warmen Wasserunterlage erwärmen. So fiel dann in den Niederungen Westdeutschlands der Niederschlag insbesondere tagsüber meist als Regen.

Kommen wir abschließend noch zu Benno, dem Hochdruckgebiet. Durch seine nächtliche Auskühlung und den geringen Wind bleiben die Temperaturen auch tagsüber bei Sonnenschein verbreitet im Frostbereich. Im Westen steigen aus den oben genannten Gründen die Höchsttemperaturen auf niedrige positive Werte.

Die Aussichten sind bis Freitag winterlich. Im Süden und der Mitte fällt heute und am Dienstag noch Schnee, der äußerste Norden und der Süden bekommen am Dienstag noch etwas Schneenachschub.

Das Winterintermezzo ist wohl am Freitag zu Ende. Nur im Norden und Osten kann es sich vielleicht noch verlängern.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.01.2016

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