06
Mar
2016

Der Polarfrontjetstream - ein Starkwindband in der Höhe gibt den Takt

vor! Die sogenannten Jetstream oder auch Strahlströme stellen ein schmales, bandartiges Starkwindfeld in der oberen Troposphäre bis hin zur Stratosphäre dar, die sich rund um den Globus ziehen. Sie entstehen an der Grenze zwischen unterschiedlich temperierten Luftmassen meist über den mittleren Breiten. Dabei unterscheidet man den Polarfrontjetstream, der die polare Luftmasse von der Subtropischen trennt, sowie den Subtropenjetstream, der die subtropische Luftmasse von der tropischen abgrenzt. Die Grenze zwischen polarer und subtropischer Luft (Polarfront) markiert darüber hinaus eine Zone mit niederem Luftdruck, die polwärts und äquatorwärts von Zonen mit höherem Luftdruck abgelöst wird. Als Ausgleich zwischen den Druckunterschieden strömt die Luft von den

Hochdruckgebieten über den polaren sowie subtropischen Regionen zum tieferen Luftdruck und wird dabei durch die Corioliskraft auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links, d. h. jeweils nach Osten abgelenkt (siehe auch Wetterlexikon auf der Homepage des DWD). Aufgrund der fehlenden bzw. sehr geringen Reibung in der Höhe wird die Luft nur wenig abgebremst, sodass sich dort sehr starke Höhenwinde mit Windgeschwindigkeiten zwischen 200 und 400 km/h, teilweise sogar bis 500 km/h entwickeln können.

Die Jetstream sind durch hohe vertikale und horizontale Windgeschwindigkeitsscherungen charakterisiert und weisen ein oder mehrere Geschwindigkeitsmaxima auf. Der Bereich maximaler Windgeschwindigkeit wird als Strahlstrom- oder Jet-Achse bezeichnet, verläuft nur selten völlig waagerecht und verfügt meist nur über eine Breite von 50 bis 100 km. Zudem mäandrieren Jetstream wie Flussläufe, können sich in mehrere Äste aufspalten und sind hinsichtlich ihrer Lage im Raum, ihrer Form und Intensität ständigen Veränderungen unterworfen.

Verantwortlich für den derzeitigen Wettercharakter ist tiefer Luftdruck in den höheren Luftschichten (etwa 5500 m), der sich von Spitzbergen wie eine Zunge über die Nordsee hinweg weit nach Süden bis zur Nordküste Afrikas ausbreitete. Auf der West- sowie auch Ostflanke des tiefen Luftdrucks hat sich nachfolgend eine meridionale, also von Nord nach Süd bzw. Süd nach Nord gerichtete Strömung ausgebildet. Entsprechend erstreckt sich auch der Jetstream, in einem großen Bogen um Mitteleuropa herum und verläuft von Neufundland kommend über die Britischen Inseln nach Süden einlenkend, über die Iberische Halbinsel und Nordafrika hinweg, um erst über Süditalien und den Balkan wieder nordwärts einzudrehen.

Während der Polarjetstream im 300-hPa-Niveau (um 9100 m) heute Morgen um 7 Uhr über weiten Teilen Europas bei meist nur geringen Luftdruckgegensätzen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 200 km/h eher schwächer ausgeprägt war, konnte sich über dem nördlichen Atlantik von Neufundland ausgehend bei zunehmenden Luftdruckgegensätzen ein kräftiger Ast mit Windgeschwindigkeiten bis 300 km/h entwickeln (vgl. Abbildung). Mitteleuropa und somit auch Deutschland selber liegen derzeit nicht im Einflussbereich des Jets bzw. werden im Osten und Nordosten gerade einmal angekratzt.

Da die Luftdruckverhältnisse in der Höhe direkt mit den Verhältnissen am Boden gekoppelt sind, konnte sich auch in bodennahen Schichten über Nord-, Mittel- und Teilen Südeuropas eine schwachwindige Wetterlage mit zahlreichen kleineren Tiefdruckgebieten ausbilden, die getreu dem nahenden Ostern wie kleine Ostereier "herumeiern". Das am stärksten ausgeprägte Tiefdruckgebiet "Bianca" liegt derzeit mit Zentrum über der Ostsee und versorgt vor allem den Nordosten noch mit Niederschlägen. Ansonsten herrscht in Deutschland unter Zufuhr sehr kalter Luft in der Höhe (bis -36 Grad in 5500 m) und einer entsprechend labilen troposphärischen Schichtung verbreitet wechselhaftes Schauerwetter. Während tagsüber bei mäßig kalten Temperaturen zwischen 2 und 9 Grad meist nur im Bergland die feste weiße Phase fällt, kann es nachts bei frostigen Werten bis in tiefere Lagen schneien.

Auch in den kommenden Tagen verändert sich die Luftdruckverteilung in der Höhe zunächst nur unwesentlich. Der Jetstream bleibt entsprechend vor allem auf der Westflanke des Höhentiefs von den Britischen Inseln bis zur Iberischen Halbinsel mit Windgeschwindigkeiten bis 300 km/h stärker ausgeprägt, während er durch abnehmende Luftdruckunterschiede auf der Ostflanke sogar nahezu einschläft. Auch über Deutschland ist zunächst noch nichts von stärkeren Höhenwinden zu spüren. Erst ab Donnerstag schiebt sich der Jetstream weiter nach Osten beeinflusst nachfolgend auch das Wettergeschehen in Deutschland.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.03.2016

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