12
Apr
2016

April, April, der weiß nicht was er will!

Angelehnt an das Thema des Tages vom 6. April soll heute nochmal das typische Aprilwetter genauer untersucht werden. Schon in der ersten Dekade dieses Monats wurde der April 2016 seinem Ruf über weite Strecken gerecht. In den ersten beiden Wochen ließ bzw. lässt er seine Muskeln spielen und zeigte sich launisch wie eh und je. Mit Sonne und Wolken im Wechsel und teilweise kräftigen Schauern und Gewittern, die lokal mit Starkregen einhergegangen sind, sowie mit Schneefall bis in tiefere Lagen vor allem zum Monatsbeginn oder böigem, teils stürmischem Wind, bevorzugt im Küstenumfeld und auf den Bergen, rief der April fast das komplette Spektrum der Wettererscheinungen in kurzer Zeit ab.

Aber warum ist der April eigentlich ein Monat der Wettergegensätze? Viele Menschen freuen sich in dem einen Moment noch über die Sonne bei frühlingshaften, teilweise auch schon frühsommerlichen Temperaturen, da türmen sich plötzlich Wolken auf und es beginnt kurze Zeit später zu schauern, oder auch zu gewittern. Schnell werden die eigenen 4 Wände aufgesucht, nur um wenige Stunden später beim Verlassen des Hauses oder der Wohnung dann festzustellen, dass die Temperatur auf deutlich kühlere Werte abgesunken ist. Doch warum ist dies so?

Dazu müssen wir uns im ersten Schritt die Sonne bzw. die Erde, die sich um sich selber und gleichzeitig auch um die Sonne dreht, genauer anschauen (siehe Abbildung). Wäre die Erde nicht geneigt und hätte keine Eigendrehung, würde die Sonne ihre Energie auf die gleichen Gebiete der Erde abstrahlen. Bei einer abgestrahlten Sonnenenergie an der Sonnenoberfläche von 60 Mio. Watt pro Quadratmeter, die etwa 5800 Grad entspricht, kommen im Maximum nur noch 1367 Watt pro Quadratmeter (~ 15 Grad) am Oberrand unserer Atmosphäre (~ 100 km Höhe) an. Aufgrund der Erdrotation sowie der Drehung um die Sonne bei geneigter Erdachse können sich alle Regionen der Erde zumindest zeitweise über die wärmende Sonnenenergie freuen. Zudem entstehen dadurch die Jahreszeiten. Während die Sonne am 21. Juni im nördlichen Wendekreis (Nordsommer) und am 21. Dezember im südlichen Wendekreis (Nordwinter) steht, treffen ihre Strahlen am 21. März sowie am 23. September senkrecht auf den Äquator auf. Auf Basis dieser Gegebenheiten wurde das Jahr in vier Jahreszeiten getrennt. Dabei beschreibt der Nordsommer die Monate mit der größten Einstrahlung auf der Nordhalbkugel und der Nordwinter die Monate mit der geringsten Einstrahlung. Frühling und Herbst stellen dabei sogenannte Übergangsjahreszeiten dar. Im Winter kann somit die Nordhalbkugel bei langen Nächten und kurzen Tagen stark auskühlen, während sie sich im Sommer stark erwärmen kann.

Berücksichtigt man nun noch, dass der Wärmehaushalt der Erde von der unteren Atmosphäre bestimmt wird, und immer einen Gleichgewichtszustand anstrebt, was z. B. einer einheitlichen Temperaturverteilung entspräche, wird der Wärmeüberschuss von den sonnenbevorzugten warmen Gebieten in die kälteren Regionen transportiert. Dies übernehmen z. B. die Ozeanströmungen und natürlich auch das Zusammenspiel der Hoch- und Tiefdruckgebiete.

Im Nordwinter sind die Temperaturgegensätze zwischen Äquator und Nordpol meist sehr stark, sodass die Druckgebilde Höchstleistung vollbringen müssen. Dagegen sind die Gegensätze im Sommer auf der Nordhalbkugel eher schwach, was oftmals zu einer geringeren Tiefdrucktätigkeit führt. In den Zwischenjahreszeiten, wie dem Frühling, wo sich der Sonnenzenit vom Äquator nach Norden bewegt oder im Herbst, wo er sich wieder über den Äquator hinaus nach Süden zurückzieht, liegt das Kampfgebiet zwischen kalter Luft aus dem Norden und warmer Luft aus dem Süden meist in den mittleren Breiten, z. B. auch über Mitteleuropa.

Insbesondere im April trifft oftmals Polarluft auf schon deutlich erwärmte Festlandsluft aus Nordafrika und dem Mittelmeerraum über Mitteleuropa zusammen. Dies führt immer wieder zu einem raschen Auf und Ab der Temperaturen, aber auch zu Schauern und teilweise schon ersten Gewittern. Durch die zunehmende Sonneneinstrahlung kann sich im Frühling auch bei uns der Boden relativ stark erhitzen und somit die unteren Schichten der darüberliegenden meist noch kühlen Luft erwärmen. Da warme Luft leichter ist, steigt sie auf und führt schließlich zur Wolkenbildung. Stellt sich zwischen den bodennahen Schichten und der Höhe (~ 5000 m) ein starker Temperaturgegensatz ein, steigt die Luft in große Höhen und es können sich bei ausreichend vorhandener Feuchte auch Gewitterwolken entwickeln.

Im Herbst können wir den umgekehrten Effekt beobachten. Durch die längeren Nächte kühlt sich der Boden und somit auch die untere Luftschicht stark ab, sodass die Feuchte kondensieren kann und so zu dem für Oktober und November bekannten, oftmals auch verbreiteten Nebel führt.

Blicken wir nun schon vorab mal in Richtung Mai und berücksichtigen dabei die weiter zunehmende Sonneneinstrahlung und den immer öfter eintretenden Sieg der Warmluft gegenüber der Kaltluft, so werden wir dann immer seltener mit Kaltlufteinbrüchen (Ausnahme: "die Eisheiligen") zu rechnen haben. Dafür nimmt dann mit beginnender Sommersaison die Gewitterneigung weiter zu.

Aber vielleicht kommt auch alles anders und schon im April kann ein Frühjahrshoch die Menschen verwöhnen. Gleichermaßen ist es natürlich auch nicht ausgeschlossen, dass der Wonnemonat Mai seinem Namen nicht alle Ehre macht und anstatt mit vielen sonnigen und warmen Tage mit Regen im Gepäck daherkommt.

Dipl.-Met. Lars Kirchhübel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.04.2016

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