17
Jun
2017

Eine Hitzewelle wird angekündigt

Die nächste Hitzewelle ist in Sicht, so konnte man es gestern insbesondere im Internet vernehmen. Dabei ist von Temperaturen über 30 Grad die Rede. Aber wie lange sollten solche Temperaturen andauern, um eine Hitzewelle zu definieren? Üblich sind hier 3 oder 5 Tage an einem bestimmten Ort. Eine exakte Definition einer Hitzewelle gibt es nur von der WMO, der Unterabteilung der UN für Meteorologie. Dabei müssen an mindestens fünf aufeinanderfolgenden Tagen die durchschnittlichen Höchstwerte des Zeitraums von 1961-1990 um mindestens 5 Grad überschritten werden. (Danach könnte es auch bei -20 Grad in Sibirien eine Hitzewelle geben. Vermutlich finden sich im Originaltext einige Einschränkungen in Bezug auf die Temperaturen.) In der unten folgenden Auswertung ist auch der Temperaturanstieg

berücksichtigt, der in Deutschland etwa ab 1990 erfolgte und die Mittelwerte im Süden Deutschlands Mitte Juni um ein bis zwei Grad steigen ließ. (Ausgiebiger können Sie sich im Thema des Tages vom 17.07.2017 informieren. http://www.dwd.de/DE/wetter/thema_des_tages/2016/7/17.html )

Gehen wir das mit der angekündigten Hitzewelle einmal mit den oben genannten Kriterien durch. Da die Ankündigungen bereits gestern erfolgten, betrachten wir das sowohl aus gestriger als auch aus heutiger Sicht. Wir gehen dabei zugunsten einer Hitzewelle davon aus, dass die Kaltfront nur den Norden erreicht hätte, eine gestern noch umstrittene Vorhersage. Nach den heutigen Vorhersagen kommt sie bis zum Neckar voran.

Danach ergibt sich:

In Hamburg und Berlin wurde und wird keines der Kriterien erfüllt. In Düsseldorf und Frankfurt und München hätte gestern noch das Kriterium dreier aufeinanderfolgenden heiße Tage und das WMO Kriterium gegriffen, in Frankfurt und München allerdings nur mit den Daten von 1961-1990. Nur am Oberrhein bestand gestern und besteht auch heute die Chance auf eine Hitzewelle nach allen Definitionen.

Ob man unter den einschränkenden Bedingungen für Deutschland eine Hitzewelle ankündigt, ist den einzelnen Redaktionen überlassen, zudem so etwas am Oberrhein nicht mal ein Sensatiönchen darstellt.

Gefühlt aber, also unter Berücksichtigung auch der Schwüle, sollte man sich zumindest im Süden auf eine Hitzewelle einstellen.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.06.2017

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