12
Nov
2010

Novembergrau

Der stürmische Wind in Deutschland ist dieser Tage in aller Munde und so wurden am gestrigen Donnerstag beim Überqueren des Orkantiefs "Carmen" deutschlandweit kräftige Windböen gemeldet. Viele Umzüge, die für den Martinstag geplant waren, wurden somit Opfer von "Carmen", zumal sie auch einigen Regen mitbrachte. "Spitzenreiter" in Sachen Wind war diesmal die Zugspitze (auf 2964 m), die satte 158 km/h für sich verbuchen konnte. Der Feldberg im Schwarzwald (auf 1489 m) kam auf immerhin 155 km/h. Verbreitet traten darüber hinaus in Lagen über 800 m orkanartige Böen (Beaufort 11) oder Orkanböen (Bft 12) auf. Im Flachland gab es die stärksten Böen an der Nordsee, hier war Helgoland mit 101 km/h die Nummer 1. In den tiefen Lagen des Binnenlandes schlug der Wind besonders in Aachen zu,

wo eine Böe von 97 km/h durchging. In Berus (Saarland) und in Wernigerode (Sachsen-Anhalt) schafften es Böen jeweils auf 94 km/h. Des Weiteren vermeldeten die Wetterstationen des DWD im gesamten Land Böen zwischen 50 und 80 km/h. Und auch heute bleibt der Wind ein Thema. Weiterhin muss mit Sturmböen im Flachland und orkanartigen Böen auf den Gipfeln gerechnet werden. In den Abendstunden zieht von Südwesten zudem ein neues Regengebiet heran, das weiteren stürmischen Wind und viel Regen im Gepäck hat.

Neben dem Wind gibt es noch ein weiteres interessantes Thema, nämlich der vielerorts dürftige Sonnenschein des Monats bisher. So brachten die ersten 11 Tage des Monats am Hoherodskopf (Vogelsberg) bisher keine einzige Stunde Sonnenschein zustande. Selbst im Flachland gibt es zwei Stationen, die jeweils nur 1,9 Stunden Sonnenschein aufweisen: Wittingen-Vorhop und Alfeld (beide in Niedersachsen). Daneben mussten die Menschen in Gardelegen (Sachsen) bisher mit nur 2,3 Stunden Sonnenschein in diesem Monat auskommen. Der Mittelwert der Sonnenstunden aller DWD-Stationen in diesem Monat liegt aktuell bei 15,0 Stunden. Normal sind 53,2 Stunden (siehe dazu die Grafik, zu finden rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]), wenn man das Mittel der Jahre 1971 bis 2000 betrachtet. Das entspräche bisher 28,2 % des Monatssolls. Rechnet man diese Zahlen auf das Monatsende hoch, kommt man im Mittel auf 40,9 Stunden oder 76,9 % des im November üblichen Sonnenscheins. Das viel zitierte Novembergrau ist damit bisher also in diesem Jahr auch wieder Tatsache.

Wenn man bedenkt, dass im November etwa 268 Stunden Sonnenschein möglich sind (berechnet aus dem Durchschnitt der maximal möglichen Sonnenstunden der Städte Hamburg, Berlin, Köln, Offenbach und München im Jahr 2010), zeigen die im Durchschnitt gemessenen 53,2 Stunden, dass zu etwa 80 % der Himmel am Tage mit Wolken verhangen ist und nur zu etwa 20 % die Sonne scheint. Noch verheerender sieht die Bilanz im Dezember aus: Nur 37,6 Stunden werden im Mittel gemessen, das sind bei 248,1 möglichen Sonnenstunden nur 15,2 % Sonnenanteil. Auch der Januar zeigt sich mit 17,6 % und 46,6 Stunden Sonnenschein ganz schön dunkel. Der sonnigste Monat ist dagegen der Juli mit 211,2 Stunden, der August mit 46,1 % der möglichen Sonnenstunden der anteilmäßig hellste Monat des Jahres.

Bezogen auf das Wetter der nächsten Tage ändert sich die Sonnenscheinbilanz für diesen Monat kaum in die hellere Richtung, da weiterhin viele Wolken und Regen das Wetter dominieren. Ein kleiner Hoffnungsschimmer besteht für die Mitte der nächsten Woche, wo der Hochdruckeinfluss zunimmt und vielleicht etwas mehr Sonnenschein bringt. Dann besteht aber die Gefahr von Nebel und Hochnebel, die wiederum wie in vielen vergangenen Jahren die Sonnenscheinbilanz des Monats vermasseln.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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