14
Nov
2010

Hohe Regenmengen und noch höhere Temperaturen

Am gestrigen Samstag hatte der Tiefdruckkomplex CARMEN, dessen Zentrum sich gestern Mittag über dem Ostseeraum befand, das Wetter in Deutschland voll im Griff. Die diesem Tief zugehörige Luftmassengrenze hatte sich in West-Ost-Richtung - genau parallel zur Windrichtung - quer über den nördlichen Mittelgebirgsraum gelegt. Luftmassengrenzen können ja bekanntlich für reichlich Regen sorgen, und wenn diese dann auch noch ortsfest bleiben, können dabei ordentliche Mengen zusammenkommen, während es in einiger Entfernung davon oft trocken bleibt.

So gab es gestern an Nord- und Ostsee zumindest zeitweise Sonne, südlich der Donau gab es vielerorts sogar 6 bis 8 Stunden Sonnenschein! Dazwischen jedoch öffnete der Himmel seine Schleusen: In einem Streifen, der von der Eifel über Sauerland und Harz bis zur Elbe reichte, fielen verbreitet über 30 Liter pro Quadratmeter Regen. Innerhalb der 48 Stunden von Freitagmorgen bis Sonntagmorgen gab es dabei an den folgenden Stationen im operationellen Messnetz des DWD die größten Regenmengen:

1) 92,6 mm in Meinerzhagen-Redlendorf (Sauerland) 2) 90,9 mm in Monschau-Kalterherberg (Eifel) 3) 81,8 mm in Attendorn-Neulisternohl (Sauerland) 4) 81,6 mm in Essen-Bredeney (Ruhrgebiet) 5) 81,4 mm auf dem Brocken (Harz) 6) 78,5 mm in Stiege (Harz)

Auch außerhalb der Bergländer traten teilweise hohe Niederschlagsmengen auf: 63,2 mm in Heinsberg-Schleiden (Niederrhein) 58,2 mm in Wittenberg (Elbe)

Nicht nur die Wassermengen, die uns CARMEN hinterließ, sind beachtenswert, sondern ebenso die Temperaturen, wie im gestrigen Thema des Tages schon beschrieben. Nachdem am 4. dieses Monats am Frankfurter Flughafen (18,9 Grad) und in Bad Nauheim (19,2 Grad) die alten Novemberspitzenwerte der Temperatur schon überboten wurden, fiel gestern in Sachsen ein Rekord. In Dresden-Strehlen wurde mit 19,3 Grad der bisherige Rekord vom 12.11.1969 (19,0 Grad) knapp überboten. Spitzenreiter im operationellen Messnetz des DWD war gestern mit 19,5 Grad die Station Dresden-Hosterwitz, hier wurde der alte Höchstwert aus dem Jahr 1994 jedoch nicht erreicht. Ähnlich hohe Temperaturen gab es auch in Baden, hier liegen die Rekordmarken aber deutlich höher. Wie schon in der Nacht zuvor in Baden-Württemberg gab es heute eine außergewöhnlich milde Nacht in Hessen und Rheinland-Pfalz. Wieder wurde an einigen Orten die höchste Minimumtemperatur, die es jemals in einer Novembernacht gab, registriert. Am mildesten war es mit 14,2 Grad in Bernkastel-Kues, hier wurde der Rekord vom 01.11.1968 eingestellt. Etwas weiter moselaufwärts, in Trier-Zewen, wurde eine Tiefsttemperatur von 14,0 Grad gemessen. An der bereits seit 1907 bestehenden Station wurde der Rekord vom 19.11.1963 (12,5 Grad) deutlich überboten. Auch bei uns Wetterfröschen, die heute früh auf dem Weg zur Arbeit waren, kamen Frühlingsgefühle auf: Im Offenbacher Wetterpark sank das Quecksilber nicht unter 13,8 Grad. Das ist ein Rekord für Offenbach. Die bisher mildeste hier registrierte Novembernacht war am 03.11.1970 mit einem Minimum von 13,2 Grad. Damals lag die Station aber noch an der DWD-Zentrale im dicht bebauten Stadtgebiet, wo generell mildere Nachttemperaturen zu erwarten sind.

Der heutige Sonntag wird uns in der Südhälfte noch einmal Temperaturen bringen, die eher an den Frühling erinnern. Danach ist es mit der Rekordjagd erst mal vorbei. Ab der Nacht zum Montag fließt von Nordwesten wieder kältere Luft nach Deutschland, so dass sich nach und nach wieder novembertypische Temperaturen einstellen werden.

 

Dipl.-Met. Peter Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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