28
Nov
2010

Heftige Regenfälle auf der Iberischen Halbinsel und im Norden

Afrikas Zurzeit durchleben wir eine für Europa und den Norden Afrikas doch eher untypische Wetterlage, zumindest was den Zeitraum Ende November angeht. Zwar bringen üblicherweise Kaltluftvorstöße aus polaren Breiten den ersten Wintereinbruch mit teils kräftigem Schneefall in Mittel- und Osteuropa, diese Kaltluftvorstöße haben aber typischer Weise eine südliche bis südöstliche Stoßrichtung. Momentan dringt die Kaltluft aus polaren Breiten aber von Skandinavien über Mitteleuropa zur Iberischen Halbinsel vor, sie hat also eine südwestliche Stoßrichtung. Und statt Temperaturen von Werten um 20 Grad im Süden der Iberischen Halbinsel, wie man sie Ende November in jener Gegend noch oft antrifft, geht es auch dort nun abwärts auf Werte von nur noch rund 10 Grad.

Dieses Wetterlage, als typisches Zirkulationsmuster, findet sich üblicherweise in den Großwetterlagen Europas erst in den Monaten des Hochwinters Anfang Januar bis Mitte Februar häufig wieder und ist verbunden mit kräftigen Niederschlägen im Mittelmeerraum und in den angrenzenden Staaten Nordafrikas.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es in der momentanen Situation, zumal bei den hohen Wassertemperaturen des Mittelmeers das Angebot an Feuchtigkeit noch sehr hoch ist, zu heftigen, teils gewittrigen Regenfällen gekommen ist. So sind in Gibraltar bis heute Früh um 07 Uhr in 24-Stunden 115 Liter pro Quadratmeter gefallen in Murcia/Alcantarilla (Südostspanien) sogar 191 Liter und selbst auf Menorca wurden noch 88 Liter gemessen. Auch in Marokko, Algerien und Tunesien kam es verbreitet zu 24-stündigen Regenfällen von 10 bis 40 Liter pro Quadratmeter. Diese Regenfälle beschränken sich im Norden Afrikas größtenteils auf die Küstenregion und das Atlasgebirge und erreichen die nördlichen Ausläufer der Sahara aufgrund der Abschirmung (Leewirkung) durch das Atlasgebirge nur stark abgeschwächt.

Dieses Zirkulationsmuster bleibt uns auch in den nächsten Tagen erhalten, so dass sich der Winterregen im Norden Afrikas sowie im westlichen Mittelmeerraum manifestiert, in Mittel- und Osteuropa bleibt polare Kaltluft mit teils kräftigen Schneefällen weiterhin dominant.

 

Dipl.-Met. Stefan Külzer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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