29
Nov
2010

Advent, Advent

Am gerade zu Ende gegangenen Wochenende haben in vielen Ecken in Deutschland die Weihnachtsmärkte eröffnet. Und eigentlich können die Veranstalter und Verkäufer ganz zufrieden sein. Zumindest mit dem Wetter. Dieses zeigte sich in weiten Teilen Deutschlands trocken, nur im Süden kam es zu Niederschlägen. Diese passen allerdings recht gut in die Jahreszeit, immerhin handelte es sich in praktisch allen Fällen um feste Niederschläge, mit anderen Worten: Schnee! Am wärmsten war es noch entlang des Neckars und am Oberrhein. Dazu wurden Temperaturen gemessen, die mehr oder weniger um den Null- bzw. Gefrierpunkt schwankten.

Mit "Gefrierpunkt" meinen wir natürlich - ohne groß darüber nachzudenken - den Gefrierpunkt des Wassers, der in der bei uns gebräuchlichen Celsiusskala mit dem Nullpunkt zusammenfällt. Dies ist durchaus nicht bei allen Temperaturskalen der Fall. In Nordamerika weit verbreitet, aber mit europäischen Wurzeln ausgestattet, ist die Fahrenheitskala, dereinst von Daniel Gabriel Fahrenheit eingeführt.

Fahrenheit legte den Nullpunkt seiner Temperaturskala von -17,8 Grad Celsius im Winter 1708/1709 fest. Die tiefste Temperatur des damaligen Winters in Danzig diente ihm als (ein) Fixpunkt, möglicherweise in der Hoffnung, damit die tiefste Temperatur überhaupt gemessen zu haben. Als zweiten Fixpunkt wählte er den Gefrierpunkt des Wassers bei 32 Grad Fahrenheit. Gemäß dieser Skala liegt die Körpertemperatur des Menschen bei 96 Grad Fahrenheit. Es wird auch die Vermutung geäußert, dass ihm die Körpertemperatur als zweiter oder sogar dritter Fixpunkt seiner Skala gedient haben könnte - und dass dieser eigentlich bei genau 100 Grad Fahrenheit liegen sollte. Dann hätte er sich wohl ordentlich vermessen - auf jeden Fall hat er sich aber schlecht reproduzierbare Fixpunkte ausgewählt. Denn auch die tiefste Temperatur in Danzig muss erst einmal wieder auftreten - oder im Labor erzeugt, also reproduziert werden. Dies gelang ihm zwar mit Hilfe einer Salz-Eis-Wasser-Mischung, wie genau ihm dies aber gelang, steht auf einem anderen Blatt.

Die Temperaturskala ist damit aber noch nicht fertig. Schließlich bedarf es auch noch der eigentlichen Skala, also der Schrittweite zwischen den Fixpunkten. Sollte Fahrenheit 3 Fixpunkte verwendet haben ergibt sich die Schrittweite in seiner Skala von allein. Ansonsten bedarf es einer - willkürlichen - Festlegung. Durchgesetzt hat sich eine Skala, bei der das Intervall vom Schmelz- bis zum Siedepunkt des Wassers in 180 Schritte unterteilt wird.

Ohne die Leistung Fahrenheits schmälern zu wollen: Es bleibt der Eindruck, dass in der Fahrenheit-Skala einiges an Improvisation steckt und das Konzept nicht so ganz schlüssig ist. Eine Temperaturskala für Länder also, in denen auch sonst krude Maßeinheiten Verwendung finden. Und somit sind die Vereinigten Staaten wohl prädestiniert für die Fahrenheit- Skala, schließlich werden dort Entfernungen in Meilen, Flüssigkeiten in Gallonen und Gewichte in Pfund gemessen, jeweils mit eher komplizierten Umrechnungen ins metrische System.

Ein Vorteil bleibt aber: Gängige Temperaturen, auch winterliche, hören sich in der Fahrenheit-Skala zumindest angenehmer an. Das könnte alle Weihnachtsmarktbesucher interessieren, die in der heute beginnenden Woche Lebkuchen, Glühwein oder Punsch genießen wollen. Denn die Temperaturen sinken weiter, und ein paar Glitzerflocken, gebietsweise auch etwas mehr Flocken, fallen auch vom Himmel. In der zweiten Wochenhälfte liegen die Höchstwerte zwischen -10 und -5 Grad Celsius - oder bei kuscheligen 15 bis 23 Grad Fahrenheit.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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