04
Dec
2010

Milderung von Westen her

Manche Wetterabläufe gestalten sich bei etwas oberflächlicher Betrachtung immer wieder gleich oder doch sehr ähnlich. Das trifft nicht nur auf den sommerlichen Durchzug einer Kaltfront zu, oder auf den Übergang von Schauerwetter zu einer ruhigen Hochdrucklage. Auch unser Wochenendwetter kann man getrost in so eine Kiste stecken. Die Periode mit strengen Frösten endet dieser Tage bereits wieder und mit dem Übergreifen von Tiefausläufern gelangt mildere Luft zu uns. Wir haben es also mit einer Milderung von Westen her zu tun. Die Kunst besteht nun darin, bei allen Gemeinsamkeiten, die solche Wetterabläufe nun mal haben, die Eigenarten der jeweils aktuellen Situation zu erkennen und diese mit in die Prognosen und Warnungen einfließen zu lassen.

Beim Übergang einer Frostperiode zu milderen Verhältnissen liegt der Fokus auf den Niederschlägen, auf der Windentwicklung und auf möglichen Glättegefahren. Wobei bei den Niederschlägen nicht nur die Menge wichtig ist, auch die Form, in der die Niederschläge fallen, ist von Bedeutung. Schaut man sich so eine Milderung etwas oberflächlich an, dann passiert immer das Gleiche. Von Westen her kommen Schneefälle auf, die dann irgendwann in den Niederungen in Regen übergehen. Mit den steigenden Temperaturen verflüchtigt sich dann auch schließlich die Glättegefahr ins Nichts. Im Bergland schneit es bei solchen Lagen naturgemäß meist stärker und länger und der Wind sorgt dort für Schneeverwehungen.

Im Detail passiert dann aber immer etwas anderes. Mal beginnt der Niederschlag gleich als Regen und gefriert auf dem kalten Boden. Solche Lagen können durch verbreitetes Glatteis extrem gefährlich werden. Eine andere Variante sind besonders kräftige und lang andauernde Schneefälle, die dann durchaus mal von Schneeverwehungen bis ins Flachland begleitet sein können.

Für die Milderung ist im gegenwärtigen Fall Tief LIANE zuständig. Es zieht von Schottland bis zum Sonntag nach Dänemark. Seine Ausläufer liegen am Sonntag quer über Norddeutschland, während vor allem nach Südosten hin der Einfluss der schwächelnden Hochdruckzone VERNON noch erhalten bleibt. Die Schneefälle von LIANE erfassen in der Nacht zum Sonntag vor allem den Norden. Sie können dort auch recht kräftig sein. 5 bis 10 cm Neuschnee sind durchaus drin und es muss verbreitet mit glatten Straßen gerechnet werden. Die Regenphase spielt bei den nächtlichen Niederschlägen eher eine untergeordnete Rolle. Glatteisregen ist zwar möglich, sollte aber nicht so verbreitet auftreten. Interessanter ist da schon eher der Wind. Für die nördlichen Mittelgebirge sind in Kombination mit den Schneefällen wieder Schneeverwehungen in Aussicht.

Auch der Start in die kommende Woche dürfte sehr abwechslungsreich ausfallen. Von kräftigen Schneefällen über Regen und Tauwetter im Süden ist alles mit dabei.

Dipl.-Met. Bernd Zeuschner
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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