07
Dec
2010

Verkehrte Welt?

Normalerweise erwartet man um diese Zeit in den Gebirgen im Süden Deutschlands gute Wintersportbedingungen, zumal ja auch die Temperaturen und Niederschläge der letzten Tage dazu gepasst haben. Allerdings macht gerade das Frontensystem eines Tiefdruckgebietes bei den Azoren dem Schnee das Leben schwer - mit Regen und relativ hohen Temperaturen vor allem in Baden- Württemberg und in den Alpen.

Schaut man sich Deutschland an, dann findet man überraschenderweise in Schleswig-Holstein sehr winterliche Bedingungen vor - durch den in der vergangenen Woche gefallenen Schnee und die tiefen Temperaturen. Heute werden dort sogar sonnige Abschnitte erwartet, so dass bei einer Schneedecke von 10-20 cm für die Ski-Langlauf-Enthusiasten schönes Wetter in einer winterlichen Landschaft gegeben ist. Leider gibt es in Schleswig-Holstein keine "richtigen" Berge, so dass die Abfahrt- und Rodelfans wohl nicht auf ihre Kosten kommen werden.

In den nördlichen Mittelgebirgen gibt es durchaus annehmbare Wintersportbedingungen, allerdings werden hier die Wintersportfreuden durch das schmuddlige Wetter mit tiefen Wolken und überwiegend leichten Niederschlägen getrübt. Auch dort wird es langsam von Süden wärmer. Der Schnee wird immer nasser, geht in Regen über - Skifahren und Rodeln werden nicht mehr soviel Spaß machen.

Noch schlimmer sieht es in unseren Gebirgen im Süden aus. Wo noch zum Wochenende sehr gute Wintersportbedingungen geherrscht hatten, machte gestern der Tiefausläufer mit sehr milder Luft und starkem Regen dem Schnee in tiefen Lagen den Garaus. Besonders der Schwarzwald leidet unter dieser Situation. Zwar liegen dort in den höheren Lagen noch um 30 cm Schnee, aber dieser ist durch das Tauwetter und den Regen sehr nass und für die Wintersportler nun eher zum "Baden" geeignet.

Auch in den Alpen haben die Temperaturen einen großen Sprung nach oben gemacht. Die "Nullgradgrenze" hat sich auf über 2000 Meter zurückgezogen. Der nasse Schnee dürfte also auch dort den Wintersportfreunden das Leben schwer machen.

Durch das starke Abtauen des Schnees und den andauernden Regen wird die Hochwassergefahr in Baden-Württemberg und Bayern steigen. Die Pegelmessungen u. a. an Donau, Iller, Lech, Neckar und Dreisam zeigen schon ansteigende Wasserstände. Bis Mittwochabend werden im Südwesten Deutschlands voraussichtlich Regenmengen um 60 Liter pro Quadratmeter gefallen sein. Die Hochwassergefahr wird sich dadurch noch weiter verschärfen.

Jörg Meinhold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

© Deutscher Wetterdienst