09
Dec
2010

Luftmassengrenze mit Schmackes

Ein Frontensystem verlief gestern innerhalb einer Tiefdruckrinne in Südwest-Nordost-Richtung von der Biskaya bis nach Osteuropa und trennte milde und relativ feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum von kühlerer und trockenerer Luft aus Nord- und Osteuropa. Beide Luftmassen wurden jeweils durch relativ hohen Druck dies- und jenseits der Tiefdruckrinne gegen einender geführt. Der Fachmann nennt derartige, die Wetterentwicklung intensivierende Konstellationen "frontogenetisch". Entlang dieses ausgeprägten Frontenzuges entstanden diverse kleinere, nordostwärts ziehende Tiefdruckgebiete. Solche oder ähnliche Wetterlagen sind mitunter berüchtigt, man erinnere sich nur an den Winter 1978/1979 und die

Schneekatastrophe in Norddeutschland. So schlimm kam es gottlob nicht, dennoch gab es eindrucksvolle Wettererscheinungen. Während es zunächst in Norddeutschland vielerorts schneite, führte ergiebiger Dauerregen in der warmen Luft über Süddeutschland zu extremem Tauwetter bis in höhere Lagen von Schwarzwald und Schwäbischer Alb. Im Übergangsbereich beider Luftmassen, etwa im Bereich der Mittelgebirgsschwelle, gab es verbreitet Glatteisregen. Schließlich setzte sich die Kaltluft in der zweiten Tageshälfte sowie in der vergangenen Nacht bis zu den Alpen durch und der Regen ging auch in Süddeutschland in Schnee über. Insgesamt fielen bis heute früh 06:00 UTC verbreitet 5 bis 10 cm Neuschnee und ganz Deutschland liegt unter einer geschlossenen Schneedecke. Spitzenreiter innerhalb des operationellen Messnetzes des Deutschen Wetterdienstes waren die Stationen Bad Nauheim mit 20 cm (!), Bernkastel-Kues mit 18 cm und Darmstadt mit 17 cm. Sicherlich führten Verwehungen streckenweise zu höherer Schneedecke.

(Eine Karte vierundzwanzigstündiger Niederschlagsmengen vom 09.12.2010, 06:00 UTC, finden Sie rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr].)

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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