11
Dec
2010

Von Fronten und Luftmassengrenzen

Eine turbulente Woche liegt hinter uns. Der Grund für die Wetterkapriolen mit mal Schnee, mal Regen und sogar gefrierendem Regen, war der Kampf zwischen zwei verschiedenen Luftmassen (siehe Thema des Tages vom Nikolaustag, zu finden rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]).

Worum es sich bei einer Luftmasse handelt und wie diese entsteht, haben wir bereits gelernt. Nun soll es um das Grenzgebiet zwischen zwei unterschiedlichen Luftmassen gehen. Diese Grenze wird mit dem Begriff Front bezeichnet. An ihr kommt es zu einer mehr oder weniger sprunghaften Änderung der Temperatur, der Feuchte und auch der Windrichtung. Fronten sind dabei keine mit dem Lineal gezogenen Linien, sondern vielmehr Übergangszonen, die einige 10 km breit sind.

Dabei unterscheidet man zwischen Warm- und Kaltfronten. Bei einer Warmfront werden kalte Luftmassen durch warme abgelöst, während bei einer Kaltfront die warme Luft von der kalten verdrängt wird.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Warmfront: In der Wetterkarte erkennt man sie durch eine rote Linie mit gefüllten Halbkreisen. Die angebrachten Symbole zeigen dabei in die Richtung, in die sich die Front bewegt. Warme Luftmassen sind leichter als kalte. Daher gleitet die warme Luft langsam auf die kalte Luft auf. Es dauert also eine gewisse Zeit, bis letztere verdrängt ist. Die Warmluft setzt sich daher zunächst in der Höhe durch, was man in Form dünner Schleierbewölkung erkennt.

Bei einer Kaltfront erfolgt der Luftmassenwechsel in aller Regel deutlich schärfer. Sie wird gekennzeichnet durch eine blaue Line mit gefüllten Dreiecken, ausgerichtet in Zugrichtung. Die schwerere kalte Luft schiebt sich wie ein Keil unter die Warmluft und drängt diese damit weg. Die warme Luft wird dabei in die Höhe gedrückt. Die Folge sind hohe Quellwolken, sowie Schauer und auch manchmal Gewitter. Die Auswirkungen dieser Front fallen also in aller Regel deutlich heftiger aus, als bei ihrem Pendant.

Was passiert nun aber, wenn beide Fronten aufeinander treffen? Man kann sich leicht vorstellen, dass sich eine Warmfront aus oben beschriebenen Gründen langsamer fortbewegt, als eine Kaltfront. Sie wird einfach ausgebremst wie ein Löffel im Honigglas, wobei der Löffel die Warmluft und der Honig die kalte zähe Luftmasse darstellt. Die Kaltfront bewegt sich hingegen geschmeidig wie durch Öl. Irgendwann ist es soweit und die Kaltfront holt die Warmfront ein. Ist dies geschehen, bezeichnet man die neu entstandene Front als Okklusion.

Bei einer Okklusion ist der Windsprung zwar weiterhin vorhanden, der Unterschied in Feuchte und Temperatur ist aber nicht mehr so tragend. In der Wetterkarte erkennt man sie an einer lila farbenen Linie und Symbolen, die einen gefüllten Halbkreis und Dreieck direkt nebeneinander haben.

Eigentlich sind alle Fronten auch Luftmassengrenzen. Letzterer Begriff wird aber häufig für ein ganz besonderes Phänomen benutzt. Dabei treffen zwei unterschiedliche Luftmassen auf engsten Raum aufeinander (Polarluft und Tropikluft). Die Unterschiede in den Luftmasseneigenschaften sind dabei sehr deutlich ausgeprägt.

Dies war auch am vergangenen Mittwoch der Fall, der uns in einem Rückblick und Ursachenforschung im morgigen Thema des Tages beschäftigt

Bis dahin genießen (oder verfluchen) Sie den vorübergehend milderen Witterungsabschnitt, denn eins kann ich schon verraten: Der Winter hat zumindest im Dezember noch einiges vor mit uns.

Dipl.-Met. Marcus Beyer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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