15
Dec
2010

Chaostage

Die ersten 14 Tage des Dezembers sind vorüber. In allen Regionen hat der Winter sein kaltes Gesicht schon gezeigt, in vielen Gebieten hat er uns sogar regelrecht auf die Probe gestellt. Dies muss man zumindest annehmen, scheint doch kaum ein Verkehrsmittel in den vergangenen Wochen den Unbilden des Wetters gewachsen gewesen zu sein. Auch der inflationäre Gebrauch des Wortes "Chaos" in Zusammenhang mit dem Wettergeschehen deutet darauf hin. Das aus der griechischen Sprache stammende Wort wird übrigens im Duden mit "wüstem Durcheinander" und "Auflösung aller Ordnung" erklärt. Hat uns Petrus denn tatsächlich so übel mitgespielt?

Die Mitteltemperatur der ersten 2 Wochen des Dezembers lag fast überall unter 0 Grad, in Sachsen und im höheren Bergland teils unter -5 Grad. Ausnahmen bilden nur einzelne Nordseeinseln und wenige Orte entlang des Rheins. Damit war es in den meisten Gebieten etwa 2 bis 5 Grad kälter als im langjährigen Mittel, lediglich im äußersten Süden lagen die Temperaturen nahe am Durchschnitt. Das Temperaturniveau war damit landesweit gesehen zu kalt, aber noch weit entfernt von Extremwerten.

Aber es kommt natürlich nicht nur auf die Temperaturen an. Auch die Niederschlagsmengen haben in manchen Regionen das Monatssoll schon erreicht, in Süddeutschland ist örtlich sogar schon die 1,5-fache Menge gefallen. Hier fielen aber Anfang vergangener Woche vor allem große Regenmengen, was zusammen mit starkem Tauwetter auch zu Überschwemmungen geführt hat. In anderen Regionen, z.B. im Norden und Westen sind dagegen erst um 20% des Monatssolls zusammen gekommen.

Schnee fiel diesen Monat bisher praktisch an allen Orten Deutschlands, die Mengen fallen aber wie so oft sehr unterschiedlich aus. Besonders "gut" gemeint hat es Petrus dabei mit Thüringen, Sachsen, dem Süden Sachsen-Anhaltes und der Osthälfte Brandenburgs. Dort liegen aktuell auch im Flachland verbreitet 10 bis 40 cm Schnee. Doch auch in vielen anderen Gebieten gab es diesen Monat schon respektable und teils ungewöhnlich ergiebige Schneefälle. Vielerorts ist der Schnee dann aber auch rasch wieder weggetaut.

Dass die Sonnenscheinbilanz diesen Monat bisher schlecht ausfällt, überrascht angesichts der hohen Niederschläge kaum: Mehr als 20 Stunden gab es bisher nur an wenigen Orten. Die beiden Spitzenpositionen mit über 30 Stunden teilen sich der äußerste Süden und Norden: Die Zugspitze und List auf Sylt.

Auch die kommenden Tage geht es mit Winterwetter weiter. Bei meist anhaltendem Frost, weiteren Schneefällen und Schneeverwehungen drohen weitere Chaostage auf den Straßen. Vor allem am Donnerstag und Samstag dürften wieder einige Regionen von dem "wüsten Durcheinander" betroffen sein. Doch ist daran wirklich die Natur - das Wetter - Schuld? Vielleicht glauben wir nur allzu gerne, die moderne Zivilisation könne jegliches Wetter zähmen. Das scheint nicht immer der Fall zu sein.

Dipl.-Met. Peter Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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