28
Dec
2010

Glatteis

Wenn Sie Ihre Freunde und Kollegen mal aufs Glatteis führen wollen, dann fragen Sie mal nach den Unterschieden zwischen Eisglätte und Glatteis.

Eisglätte entsteht, wenn nasse Stellen (Pfützen) überfrieren. Die ist tückisch, weil sie oft unvermittelt auftreten kann. Besonders bei Dunkelheit sind diese Gefahren nicht gleich auszumachen, zumal man vielleicht auch nicht registriert hat, dass die Temperaturen unter die 0-Grad- Marke gesunken sind.

Wenn nun der Erdboden gefroren ist, sich aber wärmere, feuchte Luft vorschiebt, können Regentropfen ausfallen, die dann auf dem kalten Boden sofort Eis bilden (sog. "Blitzeis"). Diese Regentropfen haben eine Temperatur, die deutlich über 0 Grad liegt. Der Fachausdruck für diese Niederschlagsform heißt "gefrierender Regen".

Eisregen dagegen besteht aus Wassertröpfchen, deren Temperatur deutlich unter 0 Grad liegen. Wir erinnern uns: damit Wasser gefrieren kann, bedarf es eines Kristallisationskerns. Damit sich Kristalle (also auch Eis) bilden können, brauchen Wassermoleküle eine bestimmte Mindestgröße. Diese erreichen sie erst, wenn Fremd- Partikel (z.B. Staub) im Wasser vorhanden sind oder wenn sie auf eine Oberfläche auftreffen. Sobald der Eisregen auf eine wie auch immer gestaltete Oberfläche trifft, entsteht im Nu eine dicke, harte und klare Eisschicht, ein regelrechter Eispanzer.

Um die Verwirrung komplett zu machen: von "Eisregen" spricht man auch, wenn kleine Eiskörner auf den Boden fallen!

Nun mag man sagen, dass es letztendlich egal sei, warum die Strassen und Wege glatt sind. In den Auswirkungen sind diese Glätteformen jedoch sehr unterschiedlich. Eisglätte tritt lokal auf. Die Struktur des Eises ist nicht gleichförmig. Der gefrierende Regen und auch der Eisregen bilden eine große, glatte Eisschicht, also Glatteis. Auf dem finden bekanntlichermaßen auch gute Winterreifen oft keinen Halt. Gefürchtet sind diese Eisschichten auch in der Fliegerei, da sie das Profil der Tragflächen und somit auch die Flugeigenschaften der Flugzeuge verändern.

Die Winterdienste wiederum stimmen übrigens die Zusammensetzung des Streugutes auf die unterschiedlichen Eisformen ab!

Dipl.-Met. Dorothea Paetzold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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