31
Dec
2010

"Bombenwetter"?

Die Silvesternacht steht kurz bevor und bald können wir das neue Jahr begrüßen. Die obligatorische Knallerei oder ein zünftiges Feuerwerk darf dabei für viele nicht fehlen. Aber herrschen dafür auch geeignete Bedingungen, sozusagen also "Bombenwetter"?

Dichte Wolken stellen dabei den ersten Störfaktor dar. Vielerorts sind sie in der kommenden Nacht am Himmel anzutreffen und zum Teil hängen sie auch sehr tief (siehe dazu die Grafik zur Gesamtbedeckung, den Wettererscheinungen und den Temperaturen um Mitternacht, zu finden rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Die größte Chance, dass die Sterne doch zu sehen sind, besteht am Alpenrand im südlichen Bayern und von Sachsen bis nach Sachsen-Anhalt. Sonst sind höchstens örtlich Wolkenlücken zu erwarten.

Der Nebel ist ein weiterer Störfaktor für das Feuerwerk, möglich ist dieser vor allem im Südwesten von Deutschland. Davon betroffen sind wahrscheinlich die Regionen vom südlichen Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg bis ins südwestliche Bayern. Die Sichtweiten sinken zum Teil auf unter 150 m. Wenn die Böllerei beginnt, sorgen aufkommende Rauchschwaden der Feuerwerkskörper für zusätzliche Sichtbehinderungen.

Etwas Regen oder Schnee kommen im Norden von Schleswig-Holstein als weitere hinderliche Wettererscheinung hinzu. Zu verdanken haben wir das dem Tief "Waltraud" über Skandinavien. Da die Böden zum Teil noch gefroren sind, ist passend zur Knallerei um Mitternacht ein wahrhaft "guter Rutsch" möglich. In den anderen Gebieten Deutschlands fallen, allerdings nur vereinzelt, zarte Schneeflöckchen oder feine Regentröpfchen aus der meist dichten Wolkendecke. Selbstredend ist es dann auch dort glatt.

Der Wind spielt im Nordosten von Deutschland sogar eine größere Rolle beim mitternächtlichen Vertreiben der bösen Geister durch die pyrotechnischen Aktivitäten. An den Küsten sowie in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg ist es sehr windig, an der Ostsee gibt es einzelne Sturmböen. Das erschwert die Zündarbeit am Feuerwerk doch erheblich, wenn das Feuer ständig ausgeblasen wird. Wunderkerzen sind, wenn sie dann einmal an sind, eventuell eine Hilfe.

Die Temperaturen laden um Mitternacht ebenfalls nicht dazu ein, ein Feuerwerk zu zünden. Sie werden zwischen -3 Grad im Süden und +4 Grad im Norden liegen. Wer also öfter das Feuerzeug bedienen will und dabei keine störenden Handschuhe tragen möchte, der muss sich auf kalte Hände gefasst machen.

Der Gebrauch neumodischer Feuerwerksbatterien hat heute Nacht also klare Vorteile. Dann knallt und scheppert es manchmal minutenlang, ohne dass neu gezündet werden muss. Damit kann zum Jahreswechsel 2010/2011 doch noch "Bombenstimmung" aufkommen, auch wenn es kein "Bombenwetter" gibt.

Allen Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und ein erfolgreiches und gesundes 2011!

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale

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