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Dec
2011

Wintersonnenwende - Beginn des Winters?

Morgen, am 22. Dezember 2011, um 06:30 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ), erreicht die Sonne auf ihrer scheinbaren Bahn durch den Tierkreis (Ekliptik) im Verlaufe des Jahres ihren südlichsten Punkt gegenüber dem Himmelsäquator. Das ist der Astronomische Winterbeginn auf der Nordhalbkugel, die Sonne hat mit ca. -23.5° ihre größte südliche Deklination. Sie steht an diesem Tage senkrecht über dem Wendekreis des Steinbocks auf der Südhalbkugel, dort ist Sommeranfang. Im Vergleich zum gestirnten Hintergrund auf der scheinbaren Himmelskugel steht die Sonne bei einer Rektaszension von 270° im sog. Winterpunkt, jenem Punkt der Ekliptik, der genau 90° vom Frühlingspunkt (Rektaszension = 0°) entfernt ist. Der Winterpunkt liegt derzeit im Sternbild Schütze (lat.

Sagittarius). Wegen der durch die Kreiselbewegung des Erdkörpers hervorgerufenen Präzession der Erdachse wandert der Winterpunkt im Laufe von ca. 25780 Jahren einmal durch den gesamten Tierkreis (sog. Platonisches Jahr). So lag er während der Antike noch im Sternbild des Steinbocks (lat. Capricornus). Aus dieser Zeit stammt auch die Bezeichnung "Wendekreis des Steinbocks" für den südlichen Wendekreis. In den nächsten 300 Jahren wird sich der Winterpunkt ins Sternbild Schlangenträger (lat. Ophiuchus) verschieben. Auf der Nordhalbkugel herrschen am Donnerstag der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres, weil der größte Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizontes verläuft. In Frankfurt am Main (auf ca. 50° nördl. Breite, ca. 8.5° östlicher Länge) geht die Sonne um 08:21 Uhr auf und um 16:26 Uhr unter, der lichte Tag dauert also 8 h und 5 min und die Sonne erreicht mit ca. 16.5° ihre kleinste jährliche Mittagshöhe über dem Horizont. In der Nähe des nördlichen Polarkreises gibt es zur Wintersonnenwende einen Tag ohne Sonnenaufgang, weiter polwärts herrscht bereits Polarnacht. Wenn auch kalendarisch noch lange Winter ist, nach der Sonnenwende werden die Tage wieder länger und allmählich kehrt die Sonne zu uns zurück.

Hält sich nun das Wetter in Deutschland auch an den kalendarisch verordneten Beginn des Winters? Ein Blick auf die Wettermodelle zeigt da doch eher ein differenziertes Bild. Statt einer weiteren Abkühlung mit einer Einwinterung auch im Flachland soll sich in den nächsten Tagen eher eine Westströmung durchsetzen, so dass im Wesentlichen feucht-milde Luft vom Atlantik zu uns herantransportiert wird. Dadurch gehen die Niederschläge, die heute noch teilweise als Schnee fallen werden bzw. gefallen sind, morgen in Lagen unterhalb von rund 1000 m allmählich in Regen über und bei Temperaturen von 2 Grad am Alpenrand und bis zu 10 Grad am Niederrhein setzt sich auch in den Mittelgebirgen Tauwetter durch. Dieses Tauwetter wird sich am Freitag noch verstärken, wenn die Schneefallgrenze sogar bis auf 1500 m Höhe steigen dürfte und die Temperaturspanne sich zwischen 5 Grad im Südosten Bayerns sowie 11 Grad an Ems und Rhein bewegen wird. Dazu fällt bei überwiegend starker Bewölkung hin und wieder etwas Regen. An Heiligabend wird es dann allerdings wieder etwas kälter, da die Strömung vorübergehend auf nordwestliche Richtungen drehen und ein Schwall kälterer Meeresluft zu uns vorstoßen soll. So wird die Schneefallgrenze im Tagesverlauf allmählich wieder auf etwa 500 m absinken, aber in den Niederungen bleibt es bei Temperaturen zwischen 3 und 8 Grad bei Regen, der zum Abend hin nachlässt. Die Chancen auf weiße Weihnacht sind somit in den Niederungen sehr gering, in den mittleren Lagen der Mittelgebirge mäßig, in den Hochlagen der Mittelgebirge bei rund 800 m und darüber dagegen hoch.

Dipl.-Met. Stefan Külzer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 21.12.2011

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