22
Dec
2011

Große Lawinengefahr in den Alpen

Während man sich in Deutschland mit Ausnahme der Höhenlagen über 800 m wohl mit grünen Weihnachten begnügen muss, gibt es in den Alpen nach anfänglichen großen Schneedefiziten wegen des außergewöhnlich trockenen Novembers nun doch noch reichlich Schnee. Und so werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Urlauber dem tristen Wetter hierzulande entfliehen wollen und zum Wintersport in die tief verschneiten Alpen fahren. Doch ist dabei große Vorsicht geboten, denn es besteht derzeit eine erhebliche, teils auch große Lawinengefahr.

In den letzten Tagen kam es im Alpenraum zu kräftigen Schneefällen. Verbreitet fielen 30 bis 50 cm Neuschnee. Auf der Zugspitze wurde am vergangenen Dienstag sogar eine Neuschneemenge von 70 cm in 24 Stunden registriert. Durch den kräftigen Nordwestwind entstanden jedoch im Windschatten der Bergkämme und -kuppen größere Triebschneeansammlungen, wobei der frische Schnee noch keine Bindung zur darunter liegenden älteren Schneedecke oder dem vielfach auch nackten Boden hat. Im Gegensatz zu frisch gefallenem Pulverschnee, dessen Flocken zufällig aufeinander zu liegen kommen, sind die Triebschneekristalle nach dem Windtransport deformiert und ineinander verhakt und bilden damit gefährliche Schneebretter, die bei kleinster Druckbelastung auf der Oberfläche leicht abrutschen. Triebschnee ist daher eine der häufigsten Lawinenursachen. Daher wurde für einen Großteil der Alpen bereits die Lawinenwarnstufe 3 ausgerufen. Das heißt, es besteht erhebliche Gefahr von Lawinen. Besonders betroffen sind der Arlberg, die Silvrettagruppe und Teile der Zentral- und Ostschweiz, wo sogar die Lawinenwarnstufe 4 ausgerufen (große Lawinengefahr) wurde. Gefährdet sind hauptsächlich die Lagen oberhalb von 1800 m.

Nach der europäischen Gefahrenskala ist bei Warnstufe 3 "Lawinenauslösung bereits bei geringer Zusatzbelastung vor allem an den angegebenen Steilhängen möglich. Fallweise sind spontan einige mittlere, vereinzelt aber auch große Lawinen möglich."

Für Lawinenwarnstufe 4 gilt: "Lawinenauslösung ist bereits bei geringer Zusatzbelastung an zahlreichen Steilhängen wahrscheinlich. Fallweise sind spontan viele mittlere, mehrfach auch große Lawinen zu erwarten."

Auch heute und am Freitag schneit es in den Alpen kräftig weiter. Allerdings steigt die Schneefallgrenze auf etwa 1800 m in den Westalpen und auf etwa 1200 m in den Ostalpen an, was zu einer weiteren Verschärfung der Lawinensituation beitragen wird.

Über die weitere Entwicklung der Lawinensituation in den Alpenländern kann man sich unter http://www.lawinen.org informieren.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 22.12.2011

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