23
Dec
2011

Weihnachtstauwetter

Auch wenn es dieses Jahr im Tiefland nicht viel zum Tauen gibt, so stellt sich doch, wie so oft vor Weihnachten, wieder mildes und regnerisches Wetter ein. Dieser Witterungsabschnitt ist unter dem Namen Weihnachtstauwetter bekannt. In 70 % der Fälle stellt sich in der Zeit um Weihnachten eine milde Wetterlage ein, wobei meist ein Islandtief auf seiner Vorderseite sehr milde und feuchte Meeresluft nach Mitteleuropa führt, sodass bis in die Hochlagen der Mittelgebirge Tauwetter einsetzt. Wegen seiner hohen Eintreffwahrscheinlichkeit ist das Weihnachtstauwetter einer der bedeutendsten wiederkehrenden Witterungsabschnitte (Wettersingularitäten).

Auch beim diesjährigen Weihnachtsfest trifft die Regel wieder voll zu. Heute früh wurden im Nordwesten Minima um 9 °C gemessen. Tagsüber werden dann dort sogar bis zu 11 °C erwartet. Selbst die Kammlagen der Mittelgebirge bleiben nicht vom Tauwetter verschont. Der Kahle Asten meldet zum Beispiel Sprühregen bei 3,4 °C und selbst auf dem 1141 m hohen Brocken regnet es bei 2,2 °C. So wird die weiße Pracht auch im Bergland unterhalb von etwa 600 m verschwinden.

Die feuchte Meeresluft sorgte auch für starke Niederschläge. Besonders betroffen waren die Staulagen des Schwarzwaldes. Auf dem Ruhestein bei Baiersbronn fielen 74,3 mm in 24 Stunden. Dies ist mehr als ein Drittel des dort üblichen Dezemberniederschlages. Das Weihnachtstauwetter wird pünktlich zum Heiligabend in den Bergen unterbrochen. Denn dann überquert uns eine Kaltfront. Sie sorgt dafür, dass die Niederschläge bis in mittlere Lagen wieder als Schnee fallen. Doch wenn die Kaltluft da ist, lassen auch die Niederschläge nach, sodass nur wenig Neuschnee zu erwarten ist. Eine weiße Weihnacht ist also nur im Bergland oberhalb etwa 600 m und am Alpenrand zu erwarten. In diesen Regionen wird die bereits vorhandene Schneedecke nicht vollständig abschmelzen. Für das Flachland besteht praktisch keine Chance, dass es Heiligabend doch noch weiß wird.

Bereits am ersten Feiertag wird an der Nordflanke eines Hoch mit Zentrum über den Alpen erneut warme und feuchte Meeresluft herangeführt, die verbreitet für trübes und mildes Wetter sorgt. Auch im Bergland wird es dann allmählich wieder wärmer, sodass sich das Weihnachtstauwetter dort fortsetzt.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.12.2011

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