25
Dec
2011

In welcher Höhe liegt die Schneefallgrenze ?

Haben Sie schon mal genau aufgepasst, wenn Ihnen im Wetterbericht die Höhe der Schneefallgrenze vorhergesagt wurde? Da hört man: Der Niederschlag kann zum Teil bis in die Niederungen als Schnee fallen, oberhalb von 300 Meter fällt er durchweg als Schnee. Der Norddeutsche hat damit ein Restrisiko für Schneefall. Der Süddeutsche, der im Regelfall oberhalb 300 m Meereshöhe zu Hause ist, weiß, dass er mit Schnee rechnen muss. Für den Mittelgebirgsraum mit seinen mehr oder weniger ausgedehnten Tallagen sind diese Angaben zur Reise- oder Schneeräumplanung viel zu ungenau. Eine Schneefallgrenze oberhalb 300 m ist oftmals unerheblich, eine bei 200 m führt teilweise zu chaotischen Straßenverhältnissen.

Warum machen wir nicht einfach genauere Vorhersagen?

Die Höhe der Schneefallgrenze ist meteorologisch betrachtet die Festlegung einer Temperaturschwelle in der normalerweise von oben nach unten hin wärmer werdenden Atmosphäre. Niederschlag in Mitteleuropa wird in den frostigen Höhen, in denen die Wolken unterwegs sind, als Schnee geboren. Ist es warm genug, so schmilzt der Schnee beim Fallen und kommt als Regen am Boden an.

Bei welcher Temperatur liegt denn nun die Schneefallgrenze? Zunächst würde man denken bei null Grad. Aber das ist ein Irrtum, denn Schnee kann bis etwa +7 Grad fallen. Für den Straßenverkehr relevante Schneemengen fallen bis etwa +4 Grad, wenn insbesondere im April kräftige Schneeschauer bei einem Kaltlufteinbruch übers Land ziehen. Wer sich über die hohen Temperaturen wundert, bei denen noch Schnee fällt, muss einfach daran denken, dass Eis, nachdem es das Kühlfach verlassen hat, auch nicht sofort schmilzt.

Normalerweise liegt die Schneefallgrenze bei 2 Grad C. Man müsste also nur wissen, in welcher Höhe die Temperatur 2 Grad beträgt. Nehmen wir also optimistischerweise an, dass wir die Temperatur auf 1 Grad genau vorhersagen könnten. Außerdem behaupten wir, dass die Atmosphäre bei Schneefall um etwa 0,65 Grad pro 100 m wärmer wird. Ein Temperaturfehler von einem Grad würde also einem Höhenfehler von etwa 150 m entsprechen. Die Genauigkeit der Schneefallgrenze beträgt also +-150 m bei den optimistischen Annahmen. Da sollten Sie sich nicht wundern, wenn der Schnee bis hinab auf 150m fällt, wenn als Schneefallgrenze etwa 300 m vorhergesagt sind.

Wer sich mit dem Problem genauer befasst, stößt noch auf viele weitere physikalische Probleme, die wir an dieser Stelle erst gar nicht erörtern können. Und ob der Schnee dann auch tatsächlich liegen bleibt, das ist ein weiteres Kapitel.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.12.2011

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