05
Nov
2011

Milder November, ein Beweis für die globale Klimaerwärmung?

Eine immer wiederkehrende Frage an die Meteorologen in den vergangenen Tagen war unter anderem, ob der momentan recht lang anhaltende milde Witterungsabschnitt einen Beweis für die Klimaerwärmung darstelle? Dazu kann man nur ausführen, dass ein Einzelereignis (hier Witterungsabschnitt), sei es gegenüber dem Mittel (hier Klima) deutlich zu hoch (warm), wie es momentan der Fall ist, oder deutlich zu niedrig (kalt), wie dies in diesem Jahr Mitte Oktober mal geschehen ist, niemals ein Beweis für eine Änderung des Mittels (Klima) darstellen kann. Denn in der Summe mitteln sich beim Klima zu kalte oder zu warme Phasen wieder weg. Eine Änderung des Mittels kann nur erfolgen, wenn man eine signifikante Änderung der Einzelereignisse also häufiger auftretende warme oder kalte Phasen

feststellen kann. Außerdem lässt eine etwaige Änderung des Klimas in Mitteleuropa keinen generellen Rückschluss auf das Klima im Globalen zu. Ob und wie dies der Fall ist, ist die Aufgabe der Klimaforscher.

Jedenfalls ist ein sehr milder Witterungsabschnitt Anfang bis Mitte November in Mitteleuropa nichts Außergewöhnliches, zumal dieses spezielle Witterungsereignis in der meteorologischen Literatur als sogenannter "Martinssommer" schon länger bekannt ist und im sogenannten "Singularitätenkalender" vermerkt ist. Wobei der Fachausdruck Singularität nichts anderes ist, als ein Witterungsereignis, das zu bestimmten Tagen des Jahres überdurchschnittlich häufig auftritt. Bekannteste Singularitäten in Mitteleuropa sind die Schönwetterperiode Ende September, der sogenannte "Altweibersommer" und die "Eisheiligen" zwischen dem 11. und 14. Mai. Fazit: Ein milder November liefert weder einen Beweis für eine Klimaerwärmung, noch kann man einen Gegenbeweis daraus ableiten.

Ein weiteres, aber durchaus gefährliches Phänomen spielt sich zurzeit am westlichen Mittelmeer und an der Alpensüdseite ab. So produzierte ein über dem Löwengolf neu entstandenes und recht kräftiges Tief seit zwei Tagen vor allem im Norden Spaniens, im Süden Frankreichs, in Norditalien sowie im Süden der Schweiz heftige Dauerregenfälle. Diese erreichten in der 24-std. Summe jeweils Mengen zwischen 30 und 100 Liter auf den Quadratmeter. Da diese Regenfluten recht verbreitet auftraten, und da dieses Tief sich in den nächsten Tagen kaum von der Stelle bewegen soll, muss mit weiteren kräftigen Niederschlägen in dieser Region gerechnet werden. Daher wird es voraussichtlich zu einem raschen Anstieg der Flusspegel und auch zu Überschwemmungen in den genannten Gebieten kommen. Auch dieses Extremwetterereignis stellt an sich noch keinen Beweis für eine Globale Klimaerwärmung dar. Treten diese aber signifikant häufiger als in der Vergangenheit auf, können Rückschlüsse auf ein sich drastisch änderndes Klima gezogen werden.

Dipl.-Met. Stefan Külzer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 05.11.2011

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