14
Nov
2011

Hitzewelle

In der Tat, in Casablanca (Marokko), wo im November normalerweise knapp 20 Grad als Höchstwerte gemessen werden, lagen die Maxima gestern bei 30 Grad. Auch an der algerischen Mittelmeerküste, entlang der man zu der Jahreszeit gut 20 Grad erwartet, ist es mit 25 bis 30 Grad sehr warm.

Und die Ursache? Das Hoch namens Xenia über Russland, das auch für unser teils dröges, teils sonnenscheinreiches Wetter sorgt. Sein Einflussbereich geht vom Nordwesten Afrikas bis über den Ural hinaus, immerhin eine Strecke von über 6000 km. In Nord-Südrichtung erstreckt es sich vom Nordkap bis zur Sahara, also etwa 5000 km.

Zurück nach Casablanca: Normalerweise wird dort die Temperatur vom Azorenhoch bestimmt, welches Teil der Passatwindzone mit lang anhaltender gleicher Windrichtung ist. Damit entsteht zum einen ein kalter Meeresstrom, der auch im Sommer für kühles Wasser von Nordwesten her sorgt. Dabei sind dann die Wassertemperaturen deutlich niedriger als auf gleicher geografischer Breite im Mittelmeer. Gleichzeitig kommt zum anderen auch der Wind von Nordwesten und die Luft ist damit nicht viel wärmer als das Wasser. Das spiegelt sich in den mittleren Sommerhöchstwerten von knapp 27 Grad, die etwa 5 Grad niedriger liegen als die Maxima an der nordafrikanischen Küste. Und was treibt da nun Xenia, unser Superhoch? Das Azorenhoch liegt in der Regel nordwestlich von Marokko und bringt Marokko Nordwestwind, Xenia dagegen liegt nordöstlich von Marokko und bringt dort infolgedessen Südostwind. Ein Blick in den Atlas klärt uns dann auf. Nicht vom kühlen Ozean, sondern von der Sahara kommt derzeit der Wind. Da ist es kein Wunder, wenn sich mehr oder weniger lange Hitzewellen einstellen. Für Kurzentschlossene lohnt sich der Ausflug trotzdem nicht. Die "Hitzewelle" endet in Marokko bereits heute, in Algerien wird es einen Tag später, also am Dienstag wieder kühler.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.11.2011

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