14
Nov
2011

Russischer Winter

Während wir uns in Mitteleuropa tagsüber vielerorts an sonnigem Spätherbst erfreuen und nachts meist nur leichten Frost haben, herrscht in großen Teilen Sibiriens bereits klirrende Kälte.

Spitzenreiter in der ostsibirischen Froststatistik der vergangen Nacht ist das legendäre Dorf Oimjakon (63°27'N, 142°47'E, 741 m NN) mit -45,1 °C, gefolgt von Susuman (62°47'N, 148°09'E, 630 m NN) mit -44,0 °C und Ust-Moma (66°05'N, 143°11'E, 196 m NN) mit -40,5 °C.

Das ist an sich nichts Besonderes. In Fachkreisen gilt Oimjakon seit langem als "Kältepol der bewohnten Welt". 1933 wurden dort -68,0 °C gemessen, am Kältepol-Denkmal sind -71,2 °C aus dem Jahre 1926 vermerkt, eine 1916 gemessene Temperatur von -81,2 °C ist allerdings nicht offiziell anerkannt.

Neben der topografischen Begünstigung im Ostsibirischen Bergland sind die Hauptursache für derartige Extremwerte sog. Kältehochs, welche aus arktischer Polarluft bestehen, geringe vertikale Mächtigkeit besitzen und in der höheren Atmosphäre von tiefem Luftdruck überlagert sind.

Die eingeflossene, am Boden unter relativem Hochdruck stehende Luftmasse wird durch strahlungsbedingte Auskühlung der bodennahen Luftschichten, insbesondere bei klarem Nachthimmel über Schneeflächen, immer kälter und wirkt schließlich Klima bildend.

Dauerhafte winterliche Kältehochs trifft man daher auch in der Arktis und Antarktis. Am 31. Dezember 1968 wurde in Oimjakon mit 1083,8 hPa auch der höchste je auf der Erde gemessene Luftdruck registriert.

(Eine Karte der nächtlichen Tiefsttemperaturen sowie die Bodenluftdruckverteilung vom 14.11.2011, 06:00 UTC, finden Sie rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr].)

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.11.2011

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