15
Nov
2011

Winterlicher Vorgeschmack

Von der Nordsee bis ins nördliche Brandenburg war es in der Nacht zum Dienstag trüb, aber weitgehend frostfrei. Auch an Ober- und Hochrhein sank die Temperatur meist nicht unter den Gefrierpunkt. Dazwischen erstreckte sich dagegen eine breite Zone, in der der Himmel zumindest zeitweise sternenklar war, so dass die Luft stark abkühlen konnte. Dabei wurden von Nordrhein-Westfalen und dem nördlichen Rheinland-Pfalz über Hessen und Thüringen hinweg bis nach Mittelfranken und zur Oberpfalz vielfach Tiefsttemperaturen um -5 Grad gemessen, stellenweise sogar Werte von -8 Grad (z.B. an der Station Bad Königshofen). In Bodennähe wurde es dabei sogar noch kälter, an einigen Stellen lagen die Tiefstwerte kurz über der Grasnarbe sogar im zweistelligen Minusbereich (Bad Königshofen -11 Grad). Da es mancherorts im Laufe der Nacht auch wieder neblig wurde,

bildeten sich streckenweise Reifablagerungen auf Wiesen und an Bäumen, was die ganze Szenerie schon sehr verdächtig nach Winter aussehen ließ.

Ebenfalls nicht unüblich zu dieser Jahreszeit ist die Ausbildung einer kräftigen Temperaturumkehrschicht, im Fachchinesisch "Inversion" genannt. Das heißt nichts anderes, als dass sich der übliche Temperaturverlauf - warm unten und immer kälter nach oben - umkehrt. So sammelt sich in den Nächten die schwerere Kaltluft unten in den Tälern, während die Bergspitzen in die darüber liegende deutlich wärmere Luftschicht hineinragen. Beispiele dafür finden sich reichlich, exemplarisch seien nur zwei genannt. Der Messfühler der Station Hoherodskopf (Vogelsberg, Hessen) auf 743 Meter Meereshöhe registrierte ein Minimum von +4 Grad, während an der Station Schotten, nur wenige Kilometer entfernt, aber deutlich tiefer gelegen (Meereshöhe 265 Meter), -5 Grad gemessen wurden. Auf dem Kleinen Inselsberg (Nebenkuppe des Großen Inselsberg im Thüringer Wald, Stationshöhe 732 Meter) lag das Minimum bei +3 Grad, im wenig nordöstlich davon gelegenen Waltershausen wurden auf 353 Meter -5 Grad abgelesen.

Dipl.-Phys. Ansgar Engel
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 15.11.2011

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