27
Nov
2011

Regenfluten in Süditalien - bei uns allmählich Ende der Hochdrucklage

Das Wetter in den letzten Wochen wurde durch mehr oder weniger blockierende Hochs bestimmt, die die Atlantischen Tiefausläufer weitgehend von uns fern hielten und somit für die herrschende Trockenheit sorgten. Aktuell sind es die Hochs "Zoey und Yana" über Osteuropa, die für Nebel besonders in Teilen Süddeutschlands sorgen. Im Norden und in der Mitte gibt es mehr oder weniger dichte Wolkenfelder eines sich auflösenden atlantischen Tiefausläufers. In höheren Schichten strömte von Südosten milde Luft nach Deutschland, die sich aber nur bei Sonnenschein bis zum Boden bemerkbar machte. Am gestrigen Mittwoch gab es beispielsweise von der Donau bis zum Alpenrand im Nebel Höchsttemperaturen um 0 Grad oder sogar Dauerfrost. Im niederbayerischen Falkenberg blieb die Temperatur gar

bei -3 Grad hängen. Ganz anders waren die Höchstwerte im Westen und in den nördlichen Mittelgebirgen mit 10 bis 13 Grad, in Harzgerode wurden gar 13,7 Grad erreicht.

Durch die Blockierung der Westdrift zogen einige Tiefausläufer vom Atlantik zum Mittelmeer und sorgten dort für die Bildung eigenständiger Tiefs. Am gestrigen Mittwoch produzierte dabei Tief ´Walter´ mit Kern bei Sardinien kräftige gewittrige Regenfälle im Nordosten Siziliens und in Teilen Kalabriens und Apuliens (Süditalien). So fielen in der Nacht zum Mittwoch im kalabrischen `Catanzaro´ innerhalb von 12 Stunden 131 Liter Regen auf den Quadratmeter. Die Folge waren Überschwemmungen und Erdrutsche. Ursache der Gewitter war nicht nur das Tief, sondern auch relativ kalte Luft in der Höhe. Damit war die Atmosphäre labil geschichtet, was zur Auftürmung mächtiger Gewitterwolken führte. Diese zogen teils recht langsam, wodurch die hohen Regenmengen zustande kamen.

In den nächsten Tagen stellt sich in Mitteleuropa die Wetterlage um. Die für diese Jahreszeit übliche Westdrift setzt sich ab Freitag zunächst im Norden, später auch im Süden durch. Die erwarteten Regenmengen sind zunächst aber nur gering, wodurch der November 2011 wahrscheinlich der trockenste seit Messbeginn sein wird. Dazu wird an der Küste und auf den Bergen Sturm erwartet der Stärke 9 bis 10 (75 bis 100 km/h). Mit dem auffrischenden Wind wird auch der Nebel weitgehend weggeblasen und damit gehören auch die sehr niedrigen Temperaturen in Nebelgebieten der Vergangenheit an.

Dipl.-Met. Olaf Pels Leusden
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.11.2011

© Deutscher Wetterdienst