28
Nov
2011

Hallo Frau Holle, so langsam wird´s mal Zeit...

Noch drei Tage (den heutigen Montag mit eingerechnet) dauert der November 2011 an, ein Monat, der in den Chroniken der Meteorologie - zumindest in unseren Breiten - einen Ehrenplatz bekommen dürfte. Diese Ehre basiert aber weniger auf dem meteorologischen Geschehen, welches ja weitgehend von trägen und wenig dynamischen Hochdruckgebieten und entsprechend atmosphärischer Stagnation geprägt war (das vergangene Wochenende, was dem Norden den ersten substanziellen Herbststurm mit Orkanböen brachte, mal ausgenommen), als vielmehr auf den klimatologischen Komponenten, die aus dieser weitgehend stabilen Wetterlage resultieren. Dabei ist dieses Mal weniger die Temperatur das Thema, sondern viel mehr die Sonnenscheindauer und besonders der Niederschlag. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass dieser Monat als deutlich zu trocken in die

Geschichte eingehen wird, mehr darf und soll an dieser Stelle noch nicht verraten werden (am Dienstag, 29.11.2011 gibt der DWD dazu eine Pressemitteilung heraus). Wie auch immer, so beeindruckend die Zahlen auch ausfallen werden, eine gewisse Klientel dürfte mit dem Verlauf dieses Novembers so was von überhaupt nicht einverstanden sein, dass sie nun gleich beide Daumen drückt, die Atmosphäre möge doch nun endlich mal einen anderen Kurs einschlagen. Richtig suggeriert, es handelt sich um die zahlenmäßig nicht unbedeutende Anhängerschaft der meteorologischen Komponente "Schnee". Ob Liftbesitzer oder Hoteliers, ob Veranstalter oder Protagonisten von Skiwettbewerben oder einfach nur Touristen, die in den in nicht mehr allzu weiter Ferne liegenden Weihnachtsferien einen Skiurlaub gebucht haben, sie alle verfluchen stabile Hochs und werden von Tag zu Tag etwas blasser um die Nase. Man mag sie sich schon gar nicht mehr anschauen, die berühmten morgendlichen Alpenbilder auf 3Sat oder BR. Zu herbstlich das Ambiente (obwohl bei Sonnenschein und Nebelmeer im Tal teilweise wirklich schöne Bilder im Sinne der Optik), kein Schnee, wenn man mal von den einschlägig bekannten Gletscherskigebieten absieht. Und auch das Erzeugen von Kunstschnee entpuppt sich angesichts der Temperaturen und mangels Unterstützung der Natur als wahre Danaidenarbeit, die keinen wirklichen Fortschritt bringt. Da bleibt eigentlich nur die Hoffnung, dass Frau Holle bald mal ihre Arbeitsverweigerungshaltung ad acta legt und zur Tat schreitet. Oder etwas weniger blumig ausgedrückt die Wetterlage sich so entwickelt, dass Tiefdruckgebiete mit feuchter Kaltluft für reichlich Wolken und wiederholte Niederschläge sorgen. Schaut man sich die aktuelle Wetterentwicklung und die Prognosen bis Anfang nächster Woche an, dann besteht die berechtigte Hoffnung zumindest im alpinen Raum auf erste Schneefälle im meteorologischen Winter 2011/12 (er beginnt am kommenden Donnerstag, 1. Dezember). Die Weichenstellung für die Umstellung der Großwetterlage erfolgte ja bereits in den vergangenen Tagen, indem das großräumige, so genannte blockierende Hoch ordentlich gestutzt wurde und sich über dem Atlantik und Nordeuropa reges Tiefdruckgeschehen eingestellt hat, was unter dem Strich die Sturmlage in Norddeutschland gebracht hat. So ganz ist der hohe Luftdruck aber noch nicht von der Bildfläche verschwunden, was vor allem am heutigen Montag und am Dienstag zu spüren sein wird, die nämlich weitgehend trocken über die Bühne gehen. Aber, die Exposition des Hochs (jetzt mehr west-ost- statt süd-nord-orientiert) ist nicht mehr so raumgreifend und auch nicht mehr so stabil wie zuvor, so dass im weiteren Verlauf der Woche immer wieder Tiefausläufer von Nordwesten her zu uns gelangen können, deren Wirksamkeit sich zunächst aber noch in arg limitierten Dimensionen bewegt. Interessant wird es dann erst ab Freitag, wenn eine Ernst zu nehmende Kaltfront die Alpen erreicht und einen Schwall maritimer Polarluft heranführt, die dort dann für die ersten ersehnten Schneefälle sorgt. Um Missverständnissen vorzubeugen und eine allzu ambitionierte Euphorie zu bremsen, die ganz große Einwinterung ist mit diesem Ereignis wahrlich noch nicht verbunden. Es ist ein Anfang, der zeigt, dass die Atmosphäre auch noch etwas anderes kann als pompöse Hochdruckgebiete bei uns zu installieren, nicht mehr und nicht weniger. Wie viel Schnee dabei wirklich fällt und wo die Schneefallgrenze liegt (es sieht stark danach aus, dass die Täler weitgehend leer ausgehen oder nur kurzzeitig mal weiß werden), ist derzeit noch unsicher. Fakt ist, dass die deutschen Mittelgebirge wahrscheinlich in die berühmte Röhre gucken müssen, weil einfach zu wenig oder sogar überhaupt kein Schnee fällt und es auch noch nicht kalt genug wird. Bleibt also die Hoffnung für alle Wintersportfreaks, dass die Atmosphäre den eingeschlagenen Kurs im weiteren Verlauf beibehält. Die Signale für die nächste Woche seitens der Computermodelle diesbezüglich sind nicht eindeutig, schließen aber weitere Schneefälle - zumindest im Bergland - nicht aus. Wie heißt es doch so schön beim Beckenbauer Franz: "Schaun mer mal..."

Dipl.-Met. Jens Hoffmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.11.2011

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