29
Nov
2011

Viel Wind, aber nicht überall viel Regen

Nachdem einige Wochen Hochdruckeinfluss unser Wetter bestimmt hatte, stellte sich am ersten Adventswochenende zumindest teilweise die Wetterlage um. Ein Tief mit dem Namen YODA zog über die Nordsee Richtung Südskandinavien und brachte am vergangenen Sonntag einen kräftigen Herbststurm. Stürmisch war es in weiten Teilen Südskandinaviens, Norddeutschlands und Polens, wobei der Höhepunkt der Sturmlage am Sonntagnachmittag und am Abend erreicht wurde. In Deutschland war vor allem das Küstenumfeld betroffen. Dabei wurden verbreitet schwere Sturm- oder orkanartige Böen beobachtet. Auf einigen Inseln und auf dem Brocken wurden zudem zeitweise Orkanböen gemessen. Spitzenreiter bei den deutschen Beobachtungsstationen war die Station List auf Sylt mit einer Böe von 126 km/h. In Teilen Südnorwegens war der Wind sogar noch stärker. An der Station Eigeroya

südlich von Stavanger wurden sogar 146 km/h gemessen. In der Nacht zum Montag zog das Sturmtief bereits weiter Richtung westliches Russland. Dabei traten auch an der polnischen Ostseeküste erhebliche Schäden auf, in Deutschland beruhigte sich die Lage jedoch rasch wieder. Normalerweise bringt ein solches Sturmtief auch Regen, der ist aber diesmal nicht sehr ergiebig ausgefallen. Im Zeitraum zwischen dem vergangenen Samstag und dem gestrigen Montag ist nur in Norddeutschland Niederschlag gefallen mit Mengen zwischen 5 und 16 Liter pro Quadratmeter. In Süddeutschland konnten sich die Tiefausläufer gar nicht durchsetzen und es blieb weitgehend trocken.

Stürmisch ist es zurzeit auch im nördlichen Teil des Indischen Ozeans. Dort ist die diesjährige Saison der Wirbelstürme - im Indischen Ozean als Zyklone bezeichnet - noch nicht zu Ende. Die Monate vor und nach der Monsunsaison, also April und Mai sowie Oktober und November, sind dort die aktivsten Monate der Zyklonsaison. Warnungen vor Zyklonen und Prognosen werden für den Indischen Ozean durch das Joint Typhoon Warning Center (JTWC) in Honolulu (Hawaii) ausgegeben. Zurzeit beobachtet man dort einen Wirbelsturm mit der Bezeichnung 05A. Er ist bereits über Sri Lanka und das südliche Indien hinweg gezogen und brachte dort neben starkem Wind teils ergiebige Niederschläge (verbreitet um 150 l/qm). Momentan befindet sich der Tropische Sturm 05A westlich von Indien. Er wird voraussichtlich weiter nach Nordwesten in Richtung Arabische Halbinsel ziehen und sich noch etwas verstärken. Auf der weiteren Zugbahn soll sich der Sturm aber bereits wieder abschwächen und ein Übertritt auf das Festland wird es nach den neuesten Prognosen voraussichtlich nicht geben.

In Mitteleuropa hat sich mittlerweile mit Zwischenhoch BELICE wieder weitgehend ruhiges Herbstwetter eingestellt. Zu Beginn des meteorologischen Winters am Donnerstag wird es zwar kein Winterwetter geben, dennoch wird es bei uns in der zweiten Wochenhälfte zunehmend wechselhaft werden. Vor allem für das kommende Wochenende deutet sich ein weiteres Sturmtief an, so dass auch das zweite Adventswochenende vor allem im Küstenumfeld und in höheren Lagen stürmisch ausfallen dürfte. Regen wird zumindest bis zum Donnerstag noch Mangelware bleiben. Danach wird häufiger Regen fallen, der spätestens am Wochenende auch den Süden Deutschlands erreicht.

Dipl.-Met. Johanna Anger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.11.2011

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