30
Nov
2011

Was war eigentlich auf dem Ostpazifik und Atlantik in der letzten

Saison los? Die finale Auswertung des Rekordmonats November steht unmittelbar vor der Tür und wird am morgigen Tag das "Thema des Tages" schmücken. Auch geht mit dem heutigen Tag die Herbstsaison zu Ende. Ab Morgen (01.12.) ist also im meteorologischen Kalender offiziell Winterbeginn. Damit aber nicht genug. Die USA nehmen den letzten Herbsttag zum Anlass, um die Hurrikansaison abzuschließen. Und das leitet auch schon zum heutigen Tagesthema über. Die vergangene Saison der tropischen Tiefdrucksysteme (01.06 bis 30.11) hatte ebenfalls einige interessante Aspekte zu bieten, die im Folgenden kurz zusammengefasst werden sollen.

Beginnen möchte ich mit dem Ostpazifik: Insgesamt wurden 11 tropische Systeme benannt. Das ist deutlich unterdurchschnittlich. Beachtlich ist aber, dass alle tropischen Systeme bis auf eins zu einem Hurrikan (einminütiger Mittelwind von mind. 120 km/h) heraufgestuft wurden. Das ist der größte prozentuale Anteil an Hurrikans, die es jemals gab. Von diesen 10 Hurrikans wurden drei als Major Hurrikan eingestuft (mind. Kategorie 3, Mittelwind von mehr als 180 km/h). Zum Vergleich: In einer durchschnittlichen Saison gibt es im Ostpazifik 15 Systemen, wobei sich daraus 8 Hurrikans und 3 Major Hurrikans entwickeln.

Berücksichtigt man, dass die Verteilung der Meerestemperaturen aufgrund des atmosphärischen La Nina - Ereignisses eigentlich eher zu einer geringeren Anzahl an Hurrikans führen, ist die obige Statistik umso beachtenswerter.

Der stärkste Hurrikan der vergangenen Saison war Dora mit Kat 4 (mind. 210 km/h Mittel). Die Zyklone mit den schlimmsten Auswirkungen trug den Namen: Tropische Störung 12 (Td 12 - Tropische Depression 12). Dieses Beispiel mit mehr als 100 Toten zeigt eindrucksvoll, dass die Hauptgefahr bei tropischen Systemen nur zum Teil vom Wind ausgeht, sondern oftmals von den immensen Regenfluten. Eine tropische Depression hat nämlich maximal 60 km/h Mittelwind. Td 12 brachte aber beispielsweise in El Salvador in einer Zehntagesperiode mehr als 1500 mm Regen (das entspricht dem 2.5fachen der durchschnittlichen Jahrsmenge an Niederschlag für Frankfurt).

Schauen wir nun im zweiten Teil auf die atlantische Sturmsaison: Es wurden insgesamt 19 verschiedene System mit Namen versehen. Diese Anzahl ist nicht gerade wenig und 2011 ordnet sich damit auf Platz 3 der aktivsten tropischen Saisons ein (seit Aufzeichnungsbeginn 1851). Interessant ist, dass bereits das Jahr 2010 ein sehr aktives Jahr gewesen ist (ebenfalls 19). Beide Jahre zusammengenommen stellen die zweitaktivste Sturmperiode nach 2004/2005 dar.

Im Gegensatz zum Ostpazifik war der Anteil von Hurrikans an tropischen Stürmen außergewöhnlich gering. Gerade einmal 7 Stück (37 %) haben es zu einem Hurrikan geschafft (normalerweise sind dies 55-60 %). In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass sich die ersten acht tropischen Systeme der Atlantiksaison nicht zu Hurrikans entwickeln konnten. Das ist in den Aufzeichnungen die größte Folge an Systemen, die zwar benannt wurden, aber keine Hurrikanstärke erreichen konnten. Einer der Gründe für dieses Phänomen liegt sicherlich auch in der Tatsache, dass die Ozeantemperaturen zwar nahe der Rekordwerte angesiedelt waren (viel Energie), aber oft stabile und ungewöhnlich trockene Luftmassen über dem Atlantik lagen, die stärkere Entwicklungen unterdrückt haben.

Trotz der aktiven Saison haben es nur wenige Systeme an Land geschafft. Die steuernden Winde haben wie auch schon im vergangenen Jahr dafür gesorgt, dass viele Stürme rechtzeitig nach Norden abgedreht sind, bevor sie die US-Ostküste erreichen konnten. Zwei Systeme haben es aber doch geschafft (2010 war es nur eins): Der tropische Sturm Lee und besser in Erinnerung Hurrikan Irene (Stichwort: Chaos in New York). Letzterer Sturm war auch derjenige, der die meisten Schäden verursachen konnte (7.2 Mrd $). In der Regel erreichen jährlich sechs Systeme das Festland (davon vier Hurrikans). Mit drei Systemen in zwei Jahren ist die USA trotz der hohen Anzahl an Stürmen sehr glimpflich weggekommen.

Noch ein paar Fakten: Der stärkste Atlantiksturm war Hurrikan Ophelia (Kat 4). Der am längsten als tropisches System geführt Sturm war Hurrikan Phillipe, der eine Lebensdauer von 15 Tagen aufweisen konnte. Hurrikan Irene war nicht nur der schadensträchtigste der abgelaufenen Saison, sondern auch derjenige der die meisten Todesopfer zur Folge hatte. Es starben in der Karibik und den USA insgesamt 55 Menschen.

Wenn Sie auf der rechten Seite unter Thema des Tages auf [mehr] klicken, bekommen Sie eine Übersicht über die Zugbahnen aller Stürme über dem Ostpazifik und dem Atlantik. Die Quelle ist wunderground.com, wo auch viele Zahlen der Statistik herstammen.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Bei allen Rekorden muss immer berücksichtigt werden, dass vor der Einführung der Wettersatelliten (60er Jahre) nicht alle tropischen Systeme richtig erfasst wurden oder zum Teil auch gar nicht!

Dipl.-Met. Marcus Beyer

PS: Wussten Sie, dass es für die Benennung der tropischen Systeme sechs festgelegte Jahreslisten gibt, die anschließend wiederholt werden? Besonders schlimme Hurrikans werden allerdings gestrichen und durch neue ersetzt.
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.11.2011

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