04
Dec
2011

Wie stürmisch wird es heute Nacht?

Seit Tagen halten uns einige Medien in Atem und rühren die Sturmtrommel. Je nachdem, wie seriös sie sind, verkünden sie fürchterlichen Sturm in Süddeutschland in der Nacht zum Montag oder halten sich wegen der unklaren Vorhersage vornehm zurück. Wie stark der Wind nun sein wird, da wechseln die Modelle öfters ihre Meinung. So hat ein Wettervorhersagemodell am Donnerstag eine Schwersturmlage verkündet. Ein abgeschlossenes Minitief mit Kerndruck von 980hPa sollte über den Norden Deutschlands ziehen und in der Mitte Böen der Stärke 10 bis 11 auslösen. Das kleine Tief ist ein sogenannter Schnellläufer, der sich

an der Kaltfront eines größeren Tiefs bildet und sehr schnell fortbewegt. (Das Starkwindfeld findet man nicht im Kern des Schnellläufers, sondern 200 bis 300 km südlich davon.) Andere Modelle waren der Meinung, dass das ganze so schlimm nicht werde, allerdings haben auch sie die Katastrophe nicht gänzlich ausgeschlossen.

Wie ist nun der aktuelle Stand der Vorhersagen heute um 01 Uhr?

Die Isobaren des in der Abbildung (zu finden in der rechten Spalte beim Thema des Tages) gelben Wettervorhersagemodells zeigen am Sonntag um 1 Uhr den Schnellläufer mit Kerndruck von 995hPa über den Grenzen von Deutschland, Tschechien und Polen und auch ansonsten über Süddeutschland eine komplexe Struktur. Die Isobaren des grünen Modells sehen dagegen ziemlich gleichmäßig aus. Auch sie haben etwas westlich des kleinen gelben Tiefs eine Ausbuchtung nach Süden hin und deuten das Tief damit an.

Betrachtet man sich den Abstand der Isobaren über Süddeutschland, so liegen zwischen der 995hPa und der 1000hPa-Isobare im Minimum gerade mal 90 km, während der entsprechende Abstand beim grünen Modell 225 km beträgt; entlang der Deutsch-Österreichischen Grenze bei gleicher Isobarendifferenz nur noch 150 km. Da die Windstärke nicht vom Druck, sondern von der Druckdifferenz abhängt, kann man sich vorstellen, dass beim gelben Modell sehr starker Wind, beim grünen Modell weniger Wind zu erwarten ist.

So sind etwa südlich der Mainlinie durchaus Sturmböen (Beaufort 9, bis nahe 90km/h) auch in den Niederungen möglich, südlich der Donau kann es auch schwere Sturmböen (Bft10) um 100km/h geben, auf den Bergen kann man auch Orkanböen erwarten. Sollte die Vorhersage des grünen Modells zutreffen, so werden die Böen 10 bis 20 km/h langsamer sein, also 1-2 Beaufort geringer. Montag früh bricht das Windfeld zusammen und der Spuk ist erst einmal vorbei. Windig allerdings wird es auch die nächsten Tage in ganz Deutschland bleiben.

Dipl.-Met. Christoph Hartmann
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 04.12.2011

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