07
Dec
2011

Schnee im Sauseschritt

Wenn Sie unsere Rubrik "Thema des Tages" in den letzten 10 bis 15 Tages verfolgt haben, so haben Sie sicher festgestellt, dass - nach dem trockenen und meteorologisch äußerst langweiligen November - die Begriffe "Wind" und Schnee" von den Kollegen häufig verwendet wurden. Allerdings zumeist getrennt voneinander.

Aktuell jedoch beschäftigen wir uns mit dem Einen genauso wie mit dem Anderen. Und die Kombination aus beiden bedeutet: Schneeverwehungen. Diese kann man aktuell in den Hochlagen der Mittelgebirge und in den Alpen beobachten.

Dabei geschieht nichts anderes, als dass der Schnee verfrachtet wird. Grundsätzlich gibt es dafür zwei Möglichkeiten. Die erste und häufigste ist, dass der Schnee von den windigeren Stellen dorthin transportiert wird, wo es windstill ist oder der Wind schwächer weht. Dort lagert sich der Schnee dann ab. Solche Stellen sind z. B. Mulden und Senken, aber auch die Windschattenseiten von Bergen und Hügeln. Alternativ kommt es aber auch vor, dass der Wind den Schnee gegen Hindernisse presst. Das Ergebnis sind kompakt zusammengedrückte Schneemassen, die teilweise eine erstaunliche Festigkeit aufweisen.

Vor allem im Hochgebirge kennt man als zusätzliche - sozusagen dritte - Folge von Schneeverwehungen die Wechte. Dies ist in gewisser Weise eine Kombination der ersten beiden Möglichkeiten. Denn der Schnee wird an windgeschützte Stellen transportiert, hat aber eine sehr kompakte Struktur. Zu beobachten sind diese als Wechte bezeichneten Folgen von Verwehungen häufig an der dem Wind abgewandten Seite von Berggraten oder Gebirgsplateaus. Sie ragen dabei teils deutlich über die darunter liegende Felsbasis heraus und stellen eine gefährliche und tückische Herausforderung für Bergsteiger und Tourengeher dar.

Zugegeben, betroffen von Schneeverwehungen ist - ganz aktuell - nur ein kleiner Teil unserer Republik. Die Schneefallgrenze steigt im Süden bis zum Mittag des heutigen Mittwochs auf 1000 bis 1200 Meter, um dann im Laufe des Nachmittages wieder zu sinken. Aber in den meisten Landesteilen fällt heute am Tage vor allem Regen vom Himmel. Dort ist es trist und grau - und der kräftige Wind ist auch im Flachland zu spüren.

In den Hochlagen des Bayerischen Waldes, des Schwarzwaldes und der Alpen fällt jedoch durchweg Schnee. Und bei Windgeschwindigkeiten, die in den Hoch- und Gipfellagen teils deutlich über 100 km/h liegen, "fällt" der Schnee mehr "waagerecht" als "senkrecht" - mit allen möglichen Konsequenzen.

Am intensivsten gestalten sich Schneeverwehungen übrigens bei fallendem oder frisch gefallenem Schnee. Dies liegt daran, dass eine bestehende Schneedecke einen "Alterungsprozess" durchmacht. Sie setzt sich, wird kompakter, die Schneekristalle verzahnen sich besser. Teilweise wird die Oberfläche am Tage angeschmolzen, und nachts gefriert sie wieder. So kann sich eine dünne Eisschicht über dem Schnee bilden. Diese schützt den darunterliegenden Schnee vor Verfrachtung.

Eilig, wie im Sauseschritt, ist der Schnee also heute unterwegs. Und beim Anblick von Schnee kann man sich daran erinnert fühlen, wie schnell die Zeit vergeht. Weihnachten steht vor der Türe. Oder, um es mit Wilhelm Busch zu sagen:

Einszweidrei im Sauseschritt, Läuft die Zeit; wir laufen mit.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.12.2011

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