08
Dec
2011

Flachlandwinter lässt weiter auf sich warten

Während die Hochlagen der deutschen Mittelgebirge sich mittlerweile in ein für Winterfans schickes weißes Gewand hüllen, sind im Flachland weiterhin keine weißen Farbtupfer in Form von Schnee zu entdecken. Daran ändert sich auch in den nächsten Tagen nichts Grundsätzliches, wenn auch hier und da vorübergehend mal eine dünne Schneedecke bis in tiefe Lagen möglich ist.

Marienberg (639 m, Erzgebirge) 1 cm, Kleiner Feldberg (825 m, Taunus) 4 cm, Wasserkuppe (921 m, Rhön) 14 cm, Kahler Asten (839 m, Sauerland) 35 cm, Brocken (1142 m, Harz) 47 cm, so lauteten am heutigen Donnerstagmorgen die Schneehöhenmeldungen einiger deutscher Mittelgebirgsstationen. Und im Flachland? 0 cm, wo man auch hinschaut.

Die Großwetterlage hat sich zwar seit Ende November deutlich geändert, die aktuelle Westwetterlage ist aber nicht prädestiniert für Schnee bis in tiefe Lagen. Bei dieser Lage schaffen es Tiefdruckgebiete immer wieder, auf der "Rennbahn" Atlantik - Mitteleuropa in rascher Abfolge zu uns zu gelangen. Sie bringen dabei zwar Luftmassen polaren Ursprungs mit sich, die auf ihrem langen Weg über den recht warmen Atlantik aber noch deutlich abgemildert werden. Somit steigt das Temperaturniveau in Deutschland tagsüber zwar nur auf einstellige, dafür aber eben meist positive Temperaturen. Das ist einer Schneedecke im Flachland nicht dienlich. In den nächsten Tagen ist eine Änderung der Großwetterlage nur in Nuancen zu erwarten.

So zeigt die Höhe der Nullgradgrenze der nächsten Tage (siehe dazu die Grafik, zu finden rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]), dass Lagen unterhalb 200 m zumeist nicht angetastet werden. Auch lässt sich durch das Auf und Ab der Kurven erkennen, dass verschiedene Luftmassen im Spiel sind: Mal etwas wärmere (wie vor allem am Freitag und Dienstag), mal etwas kühlere (wie am Samstag und Sonntag). Schnee kann aber trotzdem fallen: Die Höhe der Schneefallgrenze liegt meist unter der Nullgradgrenze, oft sogar 200 bis 300 m darunter. So ist vor allem am Samstagmorgen Schneefall bis nach ganz unten möglich. In starken Schauern sind bei zusätzlicher Verdunstungsabkühlung vorübergehend kühlere Temperaturen möglich, womit die Nullgradgrenze bis zum Boden sinken kann. Dann kann es dort kurzzeitig eine geschlossene Schneedecke geben. Diese wird jedoch voraussichtlich schnell wieder abtauen, sobald der Schauer vorbei ist, da die Temperatur dann wieder über 0 Grad steigt.

Damit sich der Winter auch im Flachland festsetzen kann, bedarf es einer Änderung der Großwetterlage. Es sind Luftmassen aus nördlichen oder östlichen Gefilden notwendig. Die Vorhersageszenarien der Modelle sind sich aber weitgehend einig: Es bleibt bis in den Mittelfristbereich (etwa 5 bis 10 Tage) vorerst bei der Westwetterlage. Somit sind weiterhin der Jahreszeit entsprechende Temperaturen sowie unbeständiges und teils windiges Wetter zu erwarten.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.12.2011

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