11
Dec
2011

Westlage und die Konsequenzen

Momentan haben wir es in Europa mit einer sogenannten Westlage zu tun. Sie wird in der Meteorologie dadurch definiert, dass sich über mehrere Tage hinweg über Europa eine kräftige westliche Strömung ausbildet.

Dadurch ziehen am Nordrand des Azorenhochs immer wieder Tiefdruckgebiete mit ihren dazugehörenden Fronten sowie Wolken- und Niederschlagsfeldern vom Atlantik über die Britischen Inseln, die Nord- und Ostsee hinweg nach Osteuropa. Hierdurch bleibt die Zufuhr von teils milder, teils auch mal etwas kälterer Meeresluft nach West- und Mitteleuropa über mehrere Tage erhalten und die Luft hat insgesamt nur wenig Zeit bei nur kurzem Zwischenhocheinfluss mal zur Ruhe zu kommen. Das heißt sie kann im Winter kaum auszukühlen, bzw. sich im Sommer auch kaum erwärmen. Somit würden häufig wiederkehrende Westlagen in West- und Mitteleuropa zu einem kühlen, verregneten Sommer bzw. einem milden Winter führen. Typisch für eine Westlage ist auch eine unbeständige Witterung mit Stürmen und einem Wechsel von teils kräftigen Niederschlägen mit nur kurzen Phasen von Aufheiterungen bei Zwischenhocheinfluss.

Hat eine Westlage bei uns Mitteleuropa also einen unbeständigen Witterungscharakter, so bewirkt sie in den Mittelmeerländern das genaue Gegenteil. Durch die Ausdehnung des Azorenhochs bis in den Mittelmeerraum herrscht dort häufig niederschlagsarmes und sonnenscheinreiches Wetter vor.

Das krasse Gegenteil einer Westlage ist die sogenannte Omegalage, bei der die Strömung in Europa nord- bzw. südwärts umgebogen wird. Das führt in Mittel- und Osteuropa zu einer Ausbildung eines blockierenden Hochdruckgebietes und zur Bildung von Tiefs über dem Mittelmeerraum. Mit einer solchen Wetterlage hatten wir es in diesem Jahr vornehmlich im April und Mai sowie von September bis November zu tun. In diesem Zeitraum hatten wir in Deutschland meist trockenes und freundliches Wetter, während es in den Mittelmeerländern häufig schüttete.

Die Natur sorgt somit momentan nur für einen gerechten Ausgleich.

Dipl.-Met. Stefan Külzer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 11.12.2011

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