20
Nov
2012

Nebel - kann ich nicht mehr seh'n

Wenn man das Wetter der vergangenen Tage betrachtet, kann man sicherlich nicht sagen, dass es sonderlich abwechslungsreich gewesen wäre. Hoher Luftdruck und nur lokal nennenswerter Wind, viel Nebel, hier und da mal die Sonne, entweder kurzzeitig oder auch mal längere Zeit - eine grundlegende Wetterumstellung hat es in den vergangenen 10 Tagen nicht gegeben.

Geteiltes Leid ist halbes Leid - nicht nur wir sind seit längerer Zeit immer mit der gleichen Wettersituation konfrontiert. Im Mittelmeerraum, speziell über dem südlichen Italien und Griechenland, gewittert es schon seit geraumer Zeit. Dagegen ziehen vom nordwestlichen Spanien bis nach Norwegen mehr oder weniger dichte Wolken durch, die auch wiederholt etwas Regen bringen. Die südwestliche Strömung in diesen Regionen transportiert dabei milde Luft bis weit nach Skandinavien hinein. Dementsprechend hat sich der Winter dort in die Regionen nördlich des Polarkreises und auf die Berge zurückgezogen. Aber es gibt auch viele - ebenfalls nebelgeplagte - Leidensgenossen. Überall zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, aber auch von Frankreich über Benelux nach Dänemark Nebel.

Unter "Thema des Tages" -> [mehr] finden Sie eine Grafik mit europäischen Wettermeldungen von heute Morgen um 7 Uhr. Es dominiert die Farbe gelb - diese Stationen melden Dunst oder Nebel in verschiedenster Form, teilweise sogar gefrierend (das sind die wenigen roten Vs mit waagrechten Linien). Grün und weiß sind dagegen die dominierenden Farben von der Bretagne bis nach Schweden - bewölkte Stationen ohne Niederschlag sind dabei weiß, regnerische grün eingefärbt.

Wer Abwechslung sucht, muss also weit reisen. Die Südhalbkugel bietet sich an, schließlich geht es dort mit Riesenschritten auf den Hochsommer zu. Und dementsprechend zeigen sich in vielen Regionen schon die Temperaturen. In Argentinien wurden gestern verbreitet über 30 Grad, lokal sogar über 35 Grad gemessen. Noch etwas höher lagen die Werte im - zugegebenermaßen subtropischen - südlichen Afrika, wo sogar an der 40-Grad-Marke gekratzt wurde. Nachholbedarf besteht noch in Neuseeland. Dort sind aktuell 20 Grad das höchste der Gefühle.

Und wie geht es bei uns weiter? Zumindest etwas mehr Sonne, wenn man schon nicht wirklich mit steigenden Temperaturen rechnen kann? Na ja, die Chancen stehen nicht wirklich gut. Ab dem Wochenende zieht sich das Hochdruckgebiet nach Osten zurück, und von Westen greifen Tiefausläufer auf unser Gebiet über. Dies bedeutet, dass hier und da etwas Regen fällt, und die Temperaturen werden wohl leicht zurückgehen.

Eine positive Nachricht für alle, die den Nebel nicht mehr sehen können, gibt es aber: Er wird weniger - es machen sich mehr und mehr tief hängende Wolken breit.

Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.11.2012

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