25
Nov
2012

Nach der Ruhe kommt der Sturm

Seit Mitte November bestimmte ein umfangreiches Hochdruckgebiet mit Schwerpunkt über Russland das Wetter in ganz Mitteleuropa. Bemerkbar machte sich das vor allem durch Nebel und Hochnebel, der über weiten Teilen Deutschlands für trübes Wetter sorgte. Tiefdruckgebiete, die vom Atlantik heran zogen, kamen gegen dieses Hoch nicht an. Dadurch erreichten deren Ausläufer meist nur den Nordwesten und Westen Deutschlands und das auch nur in abgeschwächter Form, so dass nun fast zwei Wochen lang kaum Regen fiel.

Übrigens dominierte im November 2011 eine ähnliche Wetterlage. Allerdings blieb diese noch wesentlich länger stabil und der Schwerpunkt des Hochs lag über Mitteleuropa. Tiefdruckgebiete wurden bereits über dem Ostatlantik Richtung Norden abgelenkt und konnten so keinen Einfluss auf unser Wetter nehmen. Deswegen war der November 2011 der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. In diesem Jahr sind wir davon allerdings weit entfernt. Denn zum einen gab es zu Beginn des diesjährigen Novembers deutschlandweit bereits einiges an Niederschlag, und zum anderen stellt sich nun bei uns die Wetterlage um, wodurch wieder zunehmend Tiefdruckgebiete unser Wetter beeinflussen werden.

Gleich zu Beginn dieser Umstellung erwartet uns ein markantes Wetterereignis, das sich vor allem im Westen und Norden Deutschlands bemerkbar machen wird. Vor der Iberischen Halbinsel hat sich nämlich ein Tiefdruckgebiet mit dem Namen "Franziska" entwickelt, das gestern unter Verstärkung Richtung Nordosten zog. Schon in der Nacht zum Sonntag hat sich das Tief mit einem Kerndruck von 985 hPa zu einem Sturmtief entwickelt und befindet sich nun mit seinem Zentrum über der westlichen Nordsee. Sein Starkwindfeld hat bereits den Westen und Nordwesten Deutschlands erfasst, so dass ein starker Südwestwind aufgekommen ist. Erste Sturmböen sind schon auf den Nordseeinseln und im höheren Bergland aufgetreten. Im heutigen Tagesverlauf wird das Sturmtief über die Nordsee Richtung Skagerrak ziehen und dabei mit einem Kerndruck von etwa 982 hPa den Höhepunkt seiner Entwicklung erreichen. Vor allem an der Nordseeküste muss insbesondere am Nachmittag verbreitet mit schweren Sturmböen um 95 km/h (Stärke 10 Bft) gerechnet werden, auch einzelne orkanartige Böen um 110 km/h (Stärke 11 Bft) sind auf den Nordseeinseln und in exponierten Berglagen nicht ausgeschlossen. In der Westhälfte Deutschlands und an der Ostsee treten Wind- und Sturmböen bis 75 km/h (Bft 7 bis 8), in höheren Mittelgebirgslagen Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9) auf. Im Südosten sowie im Osten Deutschlands bleibt der Wind hingegen deutlich schwächer.

Im Vergleich zur Windentwicklung spielt der Niederschlag nur eine untergeordnete Rolle. Das Frontensystem des Sturmtiefs wird uns rasch Richtung Osten überqueren, so dass nur zeit- und gebietsweise mit mäßigem Regen zu rechnen ist.

Bereits in der Nacht zum Montag zieht das Sturmtief vom Skagerrak über Südschweden zur Ostsee ab, so dass der schwere Sturm im Norden rasch nachlässt. Tiefdruckgebiete werden uns auch in der neuen Woche mit wechselhaftem Wetter beeinflussen. So stürmisch wird es aber dabei nicht mehr werden, allerdings erwartet uns zum ersten Adventswochenende hin recht kalte Luft und in einigen Regionen wohl auch Schnee.

Dipl.-Met. Johanna Anger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 25.11.2012

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