30
Nov
2012

Tief Heike - Eine Bilanz

Tief HEIKE hat in den letzten Tagen für recht turbulentes Wetter in Mittel- und Südeuropa gesorgt. Alles begann am Dienstag mit einem massiven Kaltlufteinbruch ins westliche Mittelmeer. Über dem noch warmen Mittelmeerwasser bildete sich über dem Golf von Genua das Tief HEIKE.

Durch das Tief wurden feuchte Luftmassen gegen die Alpensüdseite gedrückt. So kam es in der Schweiz, besonders im nördlichen Tessin, in Goms und im Wallis zu starken Niederschlägen, die oberhalb von 1500 - 2000 m als Schnee fielen, sodass dort seit Montag oberhalb von etwa 2000 m teils 70 - 150 cm Neuschnee zusammenkamen.

An der Kaltfront von Tief HEIKE, die rasch über das Mittelmeer zog, entwickelten sich über dem warmen Meerwasser verbreitet kräftige Gewitter. An einem dieser Gewitter bildete sich bei Tarent in Süditalien, am Ionischen Meer ein starker Tornado, der große Schäden anrichtete. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die großen Scherwinde vorderseitig des Tiefdruckgebietes.

Am Mittwochabend bildete sich ein weiteres Tief namens HEIKE II über Oberösterreich, im Lee der Alpen. Dieses Tief brachte den Winter auch nach Deutschland. Es zog am Donnerstag unter Verstärkung über Tschechien nach Polen. Dadurch wurde feuchte und warme Subtropikluft nach Norden geführt, während auf der Tiefrückseite Polarluft bis nach Deutschland vorankam. Dadurch bildete sich über Deutschland eine Luftmassengrenze, die nur langsam nach Osten vorankam und sich am Donnerstag von der Lausitz bis zum Schwarzwald erstreckte. An ihr kam es zu intensiven Niederschlägen, die zunehmend bis in die Niederungen als Schnee fielen. Besonders betroffen waren das Erzgebirge und die schwäbische Alb. Im Erzgebirge fielen bis heute früh oberhalb von 600 m verbreitet 25 bis 40 cm Schnee. Dazu gab es Sturmböen, die für starke Verwehungen sorgten. Auf der Schwäbischen Alb hat es auch 20 bis 30 cm geschneit. In mittleren Lagen, in denen der Schnee noch recht nass war, kam es zu Schneebruch, sodass dort zahlreiche Straßen gesperrt werden mussten.

Tief Heike zieht nun weiter nach Osten, sodass am heutigen Freitag bei uns nur noch geringe Schneefälle zu erwarten sind. Doch nun wird der Osten Russlands getroffen. Die warme Mittelmeerluft von Tief Heike schiebt sich über die eisige sibirische Kontinentalluft. Die Folge ist, dass es derzeit in der Region um Moskau verbreitet zu Eisregen kommt. Weiter nordöstlich werden bis zu 40 cm Schnee erwartet.

Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.11.2012

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