20
Dec
2012

Geht morgen die Welt unter, oder kommt wenigstens der Winter?

Esoterisch angehauchte Zeitgenossen widmen dem morgigen 21. Dezember 2012 besondere Aufmerksamkeit, einige erwarten sogar den Weltuntergang. Diese pessimistischen Vermutungen beziehen sich auf eine angebliche Prophezeiung der Maya, einem Kulturvolk im vorkolumbischen Zentralamerika. Die Inschrift eines königlichen Sarkophags in der alten Maya-Metropole El Tortuguero, nahe Palenque im heutigen Mexiko, spricht etwas verklausuliert davon, dass an diesem Tage ein Gott herabstiege und nach einer Art Sintflut die Welt neu erschaffen würde. Tatsächlich endet am 21.12.2012 jener bedeutende Zyklus im Maya-Kalender, welcher der Überlieferung nach, im Jahre 3114 v. Chr. nach Beseitigung alles Dagewesenen und Neuschöpfung alles Irdischen begann. Warten wir ab, was morgen passiert...

Neuzeitlich beginnt am 21.12.2012, um 12:12 Uhr MEZ, auf der Nordhalbkugel der astronomische oder kalendarische Winter. Die Sonne erreicht auf ihrer scheinbaren Bahn durch den Tierkreis (Ekliptik) im Verlaufe des Jahres ihren südlichsten Punkt gegenüber dem Himmelsäquator. Sie hat mit -23.5° ihre größte südliche Deklination und kulminiert an diesem Tage senkrecht über dem Wendekreis des Steinbocks auf der Südhalbkugel, dort ist Sommeranfang. Auf der Nordhalbkugel herrschen morgen der kürzeste Tag und die längste Nacht des Jahres, weil der größte Teil der täglichen Sonnenbahn unterhalb des Horizontes verläuft. In Offenbach am Main (auf ca. 50° nördl. Breite, ca. 8.5° östlicher Länge) geht die Sonne um 08:14 Uhr auf und um 16:19 Uhr unter, der lichte Tag dauert also 8 h und 5 min und die Sonne erreicht mit ca. 16.5° ihre kleinste jährliche Mittagshöhe über dem Horizont.

Aber kommt nun auch wettertechnisch der Winter? Eher nicht, wenn man "White Christmas" erwartet. Nach einer frühwinterlichen Phase Ende November/Anfang Dezember, dominieren nun relativ milde, atlantische Luftmassen das Wettergeschehen in großen Teilen Deutschlands, eben das übliche "Weihnachtstauwetter". Nur im Nordosten unseres Landes hält sich dank Hochdruckeinfluss leichter, nachts mäßiger Frost. Allgemein stellt sich kurz- und mittelfristig ein unbeständiger Witterungsabschnitt mit Niederschlägen ein, die anfangs z.T. als Schnee, meist aber als Regen fallen. Vielleicht bleibt am Heiligen Abend im Nordosten Deutschlands etwas schmuddliger Schnee zurück, ansonsten gibt es "Weiße Weihnachten" wie üblich nur im Bergland.

Dipl.-Met. Thomas Ruppert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.12.2012

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