28
Dec
2012

Mit milder Atlantikluft ins neue Jahr

Noch vor einer Woche gab es in Europa einen extremen Kontrast zwischen einem russischen Kältehoch und atlantischen Tiefs. Die Tiefs setzten sich mehr und mehr durch und mit ihnen kam von Südwesten her milde Luft nach West- und Mitteleuropa. Bekanntermaßen gab es an Heiligabend vor allem im Südwesten Deutschlands warme Temperaturen, die zum Teil Rekorde brachten. Inzwischen ist auch vom russischen Kältehoch kaum noch etwas zu sehen, so dass in den westlichen und südlichen Teilen Russlands ebenfalls eine Milderung eingetreten ist.

Ob milde oder kalte Luft das Wetter bestimmt, steht und fällt natürlich mit der Windrichtung und die bestimmt wiederum die Großwetterlage. Aktuell haben wir es mit einer sogenannten "zyklonalen Westlage" zu tun. Bei dieser Großwetterlage steht einem ausgeprägten Hochdruckgebiet über den Azoren tiefer Luftdruck über weiten Teilen des europäischen Nordmeeeres und des Nordatlantiks gegenüber. Durch diese Konstellation entsteht schließlich eine breitenkreisparallele westliche Strömung. Wie auf einer Autobahn zieht dabei ein Tiefdruckgebiet nach dem anderen vom Atlantik Richtung Mitteleuropa. Unterbrochen wird die Vorherrschaft von Tiefdruckgebieten nur durch schwache Ausläufer des Azorenhochs, die dann für eine kurzzeitige Wetterberuhigung sorgen.

Auch eine Westlage kann aber recht unterschiedliche Gesichter haben. In den Sommermonaten ist der Atlantik kühler als das europäische Festland, so dass dann vom Atlantik vergleichsweise kühle Meeresluft zu uns kommt. In den Wintermonaten dagegen ist der Atlantik wärmer als der Kontinent und so spricht man dann von milder Meeresluft. Verdrängt diese Luft auch noch vorhandene Kaltluft, können die Temperaturen markant ansteigen, wie wir es zuletzt beobachtet haben. Zyklonale Westlagen gehören bei uns zu den am häufigsten auftretenden Großwetterlagen, so dass eine milde und wechselhafte Witterung im mitteleuropäischen Winter eben häufiger auftritt als kalte und trockene.

Die Auswirkungen dieser Wetterlage waren in diesem Dezember 2012 entsprechend stark, weil mit dem Anstieg der Temperaturen etwa ab Mitte des Monats ein kalter und vor allem in den Höhenlagen auch schneereicher Witterungsabschnitt beendet wurde. Das einsetzende kräftige Tauwetter führte zu einer raschen Schneeschmelze und in Verbindung mit den immer wiederkehrenden, teils kräftigen Niederschlägen stiegen die Pegel der Flüsse entsprechend an. So sind derzeit vor allem an Rhein und Main, sowie an deren Nebenflüssen die Pegelstände erhöht, teilweise musste sogar die Schifffahrt eingestellt werden.

Kurzer Zwischenhocheinfluss sorgte zwar in der vergangenen Nacht zum Freitag in der Nordhälfte für klaren Himmel und leichten Frost. Weitere Tiefausläufer lassen aber nicht lange auf sich warten. Am heutigen Freitag fällt nur vereinzelt Regen. Nach einem weitgehend trockenen Samstag, der sich im Süden sogar recht freundlich gestaltet, kommt es ab Sonntag wieder vermehrt zu Niederschlägen und die milde Luft gewinnt wieder die Oberhand. Mit dieser milden Luft starten wir dann voraussichtlich auch in das neue Jahr.

Dipl.-Met. Johanna Anger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.12.2012

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