17
Nov
2013

Von Fronten, Isobaren und Radiergummikrümeln

Angesichts dieser Überschrift mag man sich fragen, was die meteorologischen Begriffe Fronten und Isobaren mit Radiergummikrümeln zu tun haben. Das soll im heutigen Thema des Tages aufgeklärt werden.

Der geneigte Wetterinteressierte hat vielleicht schon einmal eine vom Deutschen Wetterdienst erstellte Bodenwetterkarte gesehen. Bodenwetterkarten des DWD lassen sich unter http://www.dwd.de/hobbymet abrufen, wenn man dort links unter "Wetterkarten", im Folgenden bei "Analysekarten" auf [mehr] und links auf "Bodenwetterkarte Europa" klickt. Und hier kommt auch schon der Radiergummi ins Spiel, denn diese werden von einem Meteorologen in einer gesonderten Schicht (Synoptische Produktion) von Hand gezeichnet. Oft ist es nicht ganz einfach, alle Linien gleich auf Anhieb richtig zu platzieren, da man stets den meteorologischen Hintergrund, alle Stationsmeldungen und die erwartete zukünftige Entwicklung beachten muss. Daher braucht man in diesem Dienst von Zeit zu Zeit auch einen Radiergummi, der mal mehr, mal weniger zum Einsatz kommt. In absehbarer Zukunft wird dieses Werkzeug jedoch nicht mehr verwendet werden, da dann die Analysekarten, wie schon jetzt die Vorhersagekarten, am Computer erstellt werden sollen.

Doch was ist eigentlich eine Bodenwetterkarte?

Zunächst einmal erhält der Meteorologe eine Art Landkarte, in die die Wettermeldungen ausgewählter Stationen eingetragen sind. Seine Aufgabe ist es nun, die Wetterlage in einem geografischen Gebiet (bspw. Nordatlantik, Westeuropa) zu einem bestimmten Zeitpunkt (Nordatlantik alle sechs, Westeuropa alle drei Stunden) visuell erfassbar zu machen. Die erstellte Karte spiegelt anhand von sogenannten Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) die Luftdruckverhältnisse wider. Dadurch lassen sich Aussagen über Windrichtung und Windgeschwindigkeit machen. Die Isobaren sind in den Wetterkarten in der Regel im Abstand von 5 Hektopascal (hPa) gezeichnet. Hierbei gilt: Je dichter die Isobaren gedrängt sind, desto stärker weht der Wind. Gebiete, in denen relativ zu ihrer Umgebung der höchste Druck herrscht, werden mit einem H für "Hochdruckgebiet" gekennzeichnet. Analog dazu wird für Gebiete, die gegenüber ihrer Umgebung einen niedrigen Druck aufweisen, ein T für "Tiefdruckgebiet" eingetragen.

Damit man die Isobaren zeichnen kann, benötigt man Messwerte für den Luftdruck, die in die Karte eingetragen sind. Neben dem Luftdruck befinden sich dort aber noch weitere meteorologische, den Stationen zugeordnete, Beobachtungswerte. Diese sind im sogenannten Stationsmodell dargestellt. Darin enthalten sind Messgrößen, wie unter anderem Temperatur, Taupunkt, Windrichtung und -geschwindkeit, Luftdrucktendenz sowie der aktuelle Wetterzustand. Eine beispielhafte Abbildung eines Stationsmodells mit den zugehörigen Erklärungen finden Sie auf der Startseite des DWD rechts unter der Rubrik "Thema des Tages" nach einem Klick auf [mehr].

Diese Angaben ermöglichen es dem Kartenzeichner in Verbindung mit der vorhergehenden Karte, Luftmassengrenzen (Fronten) darzustellen, an denen sich neben einem Luftmassenwechsel auch weitere charakteristische Änderungen meteorologischer Parameter vollziehen. Mehr zum Thema "Fronten" gibt es an dieser Stelle voraussichtlich am kommenden Dienstag zu lesen. Da insbesondere über den Meeren aufgrund fehlender Stationsmeldungen die Datenlage eher dünn ist, stehen dem Meteorologen noch weitere Hilfsmittel zur Verfügung. Einerseits kann er anhand von Satellitenbildern die Frontenlage abschätzen, andererseits kann er aber zusätzlich auf Modelldaten zurückgreifen, die den Zustand der Atmosphäre zum Zeitpunkt vorhersagen. Eventuell helfen auch Scatterometer-Daten, die vom Satelliten aus gemessen werden und Auskunft über den Wind über dem offenen Meer geben. Wichtig ist es, von allen zur Verfügung stehenden Daten eine Zusammenschau (Synoptik) durchzuführen, um ein möglichst gutes Frontenkonzept aufzustellen.

M.Sc. Met. Stefan Bach
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 17.11.2013

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