20
Nov
2013

Wintereinbruch light

Am vergangenen Sonntag wurde hier an dieser Stelle im Thema des Tages der Frage nachgegangen, wann der erste Schnee kommt (siehe dazu das Archiv, zu finden auf www.dwd.de rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). In den höheren Lagen ist er gefallen, im Flachland ist es dagegen noch "Grau-in-Grau". Gibt es denn in den nächsten Tagen Hoffnung auf Schnee für die Schneeliebhaber unter den "Flachlandtirolern"?

Einige ausgewählte Schneehöhen am heutigen Mittwochmorgen: Feldberg/Schwarzwald (1489 m): 22 cm Wasserkuppe (921 m): 15 cm Brocken (1142 m): 15 cm Neuhaus am Rennweg (845 m): 11 cm Man muss sich also schon auf die höheren Berge begeben, um das prachtvolle Weiß in Augenschein nehmen zu können. Im Flachland dagegen heißt es meist: 0 cm. Die tiefste Station, an der man heute Morgen eine Schneedecke erleben konnte, war Erfurt-Weimar in Thüringen mit einer Schneehöhe von 2 cm. Und die liegt immerhin auch schon auf 316 m Höhe.

Am heutigen Mittwoch gibt es im Süden und Osten unter dem Einfluss des Tiefs "Ruven II" über Polen zwar weitere Niederschläge, Neuschnee ist aber meist nur oberhalb von 400 bis 700 m zu erwarten. Die tieferen Lagen Mittel- und Süddeutschlands können zwar mal die eine oder andere Schneeflocke zu Gesicht bekommen, für eine Schneedecke wird es aber meist nicht reichen. Dafür ist die eingeflossene Luftmasse nicht kalt genug und die Wärme in den Böden noch zu hoch.

In der Nacht zum Donnerstag wird es etwas interessanter. Dann greift ein neues Tief mit Namen "Quentin" von der Nordsee her auf den Westen und Südwesten über und zapft polare Meeresluft aus nördlichen Gefilden an. Wer nun bei Quentin an den Regisseur Tarantino denkt, kennt seine spannenden Filme. Ähnlich spannend könnte der Wetterfilm in der kommenden Nacht werden, denn bei den neuen Niederschlägen zeigen sich in den Vorhersagekarten Schneesymbole bis in tiefste Lagen (siehe dazu auch die Vorhersage der Wolken und des Niederschlags für Mittwoch, den 20. November 2013, 22 Uhr MEZ, zu finden ebenfalls auf www.dwd.de rechts in der Rubrik "Thema des Tages" unter [mehr]). Einen Dämpfer haben die Vorhersagen aber auch schon parat: Der Schnee scheint nur oberhalb von 200 bis 300 m liegen bleiben zu wollen, sodass sich Neuschnee wahrscheinlich wieder nur auf die höheren Lagen beschränkt. Eine "weiße Überraschung" selbst ganz unten scheint jedoch nicht gänzlich ausgeschlossen.

In den nächsten Tagen bis zum Wochenende geht es dann nasskalt mit Regen- und Schneefällen weiter. Der Haken an der Sache (im Sinne der Schneefans): Im Flachland bildet sich weiterhin meist keine Neuschneedecke (kleinere Unsicherheiten in der Vorhersage gibt es aber noch, vor allem für Freitagmorgen im Westen). So schwankt die Grenze, wo der Schnee liegen bleibt, voraussichtlich weiterhin zwischen etwa 300 und 800 m. Tief "Quentin" zieht es zum zentralen Mittelmeer, womit die Strömung in Deutschland zwar auf Ost dreht, die ganz kalten kontinentalen Luftmassen aus Russland oder Sibirien aber nicht den Weg zu uns finden.

Der aktuelle Wintereinbruch ist also nur ein "Wintereinbruch light", weil das Flachland größtenteils ausgespart bleibt. Viele Autofahrer (Winterreifen schon montiert?) werden aber sicherlich gut darauf verzichten können. Der bevorstehende Winter wird schließlich noch lang genug.

Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.11.2013

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